Pauschale Tariferhöhung für Klinikärzte gefährdet Krankenhäuser
Seit 16. März streiken in Deutschland zahlreiche Krankenhausärzte für bessere Arbeitsbedingungen und 30 Prozent mehr Gehalt. Setzen sie ihre derzeitige Gehaltsforderung durch, würde dies bei konstanter Beschäftigung Zusatzkosten für den ärztlichen Dienst von nahezu drei Milliarden Euro bedeuten, die von den Krankenhäusern oder Krankenversicherungen getragen werden müssten. Dies hätte zur Folge, dass der Anteil wirtschaftlich gefährdeter Krankenhäuser von 20 auf 35 Prozent steigt. Bei den gesetzlichen Krankenkassen könnte alternativ eine Beitragssteigerung von rund 0,26 Prozentpunkten mit negativen Effekten auf den Arbeitsmarkt die Folge sein. Zu diesem Ergebnis gelangen das RWI Essen und die ADMED GmbH in einer entsprechenden Studie.Das Papier schlägt daher statt einer pauschalen Gehaltserhöhung für Krankenhausärzte eine Deregulierung im Krankenhaussektor vor. Ärzte und Krankenhäuser sollten direkt über leistungsabhängige Löhne verhandeln können. Die Situation vieler Krankenhausärzte würde sich so verbessern, Krankenhäuser und Krankenkassen würden dadurch jedoch weniger stark belastet als durch eine pauschale Tariferhöhung.
Würden die höheren Gehaltszahlungen alleine von den Krankenhäusern getragen, brächte dies nach Berechnungen des RWI Essen und der ADMED GmbH 35 Prozent der deutschen Krankenhäuser in eine prekäre wirtschaftliche Situation. Zurzeit befinden sich nach dem von RWI Essen und der ADMED GmbH durchgeführten "Krankenhaus Rating Report 2006" rund 20 Prozent der Krankenhäuser in einer schwierigen Finanzsituation und damit im "roten" Bereich". Dieser Anteil würde durch die höheren Ärztegehälter auf circa 35 Prozent steigen, der Anteil des "gelben" Bereichs leicht von 14 auf 15 Prozent zunehmen. Würden hingegen die Krankenversicherungen alleine mit den Zusatzkosten belastet, müssten die gesetzlichen Krankenversicherungen ihre Beitragssätze um etwa 0,26 Prozentpunkte erhöhen. Dies würde zwischen 10.000 und 30.000 sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze gefährden.
Statt einer pauschalen Tariferhöhung um 30 Prozent schlagen RWI Essen und ADMED GmbH vor, die Lohnfindung künftig Ärzten und Krankenhäusern direkt zu überlassen. Bei einem Ärztemangel, wie er sich derzeit im Krankenhausbereich abzeichnet, könnten die Krankenhäuser dann den Ärzten unabhängig von Tarifregelungen und leistungsabhängig höhere Gehaltsangebote machen. Wie in anderen Branchen, in denen es einen Wettbewerb der Arbeitgeber um hoch qualifizierte Arbeitskräfte gibt, würde auf diese Weise auch im Gesundheitswesen die Gehaltsfindung am Markt stattfinden. Eine Deregulierung des zurzeit stark planwirtschaftlich geprägten Krankenhauswesens könnte so die Situation der Ärzte verbessern. Gleichzeitig würden Krankenhäuser und Krankenversicherungen weniger stark belastet als durch eine pauschale Tariferhöhung.
Die aktuellen Berechnungen beruhen auf dem vom RWI Essen und der ADMED GmbH erstellten "Krankenhaus Rating Report 2006". Dieser basiert auf einem umfangreichen Datensatz aus 270 Bilanzen und Gewinn- und Verlustrechnungen deutscher Krankenhäuser, die einem Bilanzrating unterzogen wurden. Im "roten" Bereich befinden sich demnach Krankenhäuser, die eine Ausfallwahrscheinlichkeit von mindestens 2,6 Prozent aufweisen. Sie gibt an, mit welcher Wahrscheinlichkeit - bezogen auf den Zeitraum eines Jahres - ein Unternehmen seinen Verbindlichkeiten nicht mehr nachkommen kann. Im "gelben" Bereich befinden sich Kliniken mit Ausfallwahrscheinlichkeiten zwischen 1,0 und 2,6 Prozent, unter 1,0 Prozent beginnt der "grüne" Bereich.
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