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Genfood: Heimliches Comeback dank neuer EU-Ökoverordnung

Biofood mit Gentech-Anteil in Sicht?Die neue EG-Öko-Verordnung gestattet die Verwendung von gentechnisch hergestellten Lebensmittelzusatzstoffen in Bioprodukten, wenn diese nicht mehr in gentechnisch unveränderter Form verfügbar sind. Nach der Verabschiedung der neuen EU-Ökoverordnung auf dem EU-Agrarrat vom 12. Juni zieht Bioland daher eine gemischte Bilanz. „Biobetriebe brauchen keine Gentechnik, jedoch klare Positionen gegenüber ihren Kunden. Zusatzstoffe als Türöffner für Gentechnik in Bio würde Vertrauen zerstören und den Prinzipien des biologischen Landbaus widersprechen“, stellt Bioland-Präsident Thomas Dosch klar.


Sollten diese Ausnahmemöglichkeiten großzügig und ohne die nötige Transparenz genutzt werden, drohen Wettbewerbsverzerrung und Verbrauchertäuschung. Nach der Verabschiedung der neuen EU-Ökoverordnung muss die Kommission noch konkrete Durchführungsbestimmungen festlegen. Dabei gilt es, die Anhänge der bisherigen EU-Verordnung in die neuen Regelungen so zu integrieren, dass es zu keiner weiteren Aufweichung staatlicher Mindeststandards und Kontrollregelungen kommt.

Positiv aus Sicht des privatrechtlich organisierten ökologischen Landbaus sei es, so Thomas Dosch, dass ein Bioverband auch in Zukunft mit eigenen strengeren Richtlinien und entsprechenden Qualitätszeichen am Markt aktiv sein kann. Darum wurden 18 Monate lang harte Verhandlungen mit der Kommission geführt. Nun ist sichergestellt, dass individuelle Verbraucherpräferenzen für qualitativ hochwertige Bioprodukte weiter bedient werden können und der Biolandbau insgesamt konsequent weiter entwickelt wird. Die Befürchtungen sind nicht unbegründet. 
Foto: CAMPUS VerlagWährend die Mehrheit der Verbraucher gentechnisch veränderte Nahrungsmittel ablehnt, setzen die großen Agrokonzerne auf den Vorstoß der umstrittenen Technologie. Was die meisten Konsumenten dabei nicht ahnen: Für die Giganten am Markt verspricht Genfood einen Milliardenmarkt – die globale Expansion der Anbauflächen hält unvermindert an, wie der im Campus Verlag erschienene Bestseller Die Joghurt-Lüge. Die unappetitlichen Geschäfte der Lebensmittelindustrie aufzeigt. Danach lassen die prognostizierten Wachstumsraten selbst die selbstbewusste Pharmabranche vor Neid erblassen. Demnach wird der Markt für transgene Pflanzen bis 2010 von 0,44 auf über 16,7 Milliarden Euro angestiegen sein – ein Sprung auf schwindelerregende 3 795 Prozent in nur 14 Jahren. Obwohl sich die Begeisterung über Genfood bis jetzt in Grenzen hält, forcieren die großen Saatgutproduzenten sowohl anstehende Zulassungen als auch die massive Markteinführung ihrer Produkte. Als besonders attraktiv dürfte den Giganten nicht nur das exorbitante Wachstum des Marktes erscheinen. Auch die geringe Zahl der Big Player gibt den Akteuren Anlass genug, in Goldgräberstimmung zu verfallen. Nur sechs multinationale Großfirmen kontrollieren 98 Prozent des Marktes für gentechnisch veränderte Pflanzen: Syngenta, Bayer Aventis, Monsanto, DuPont, BASF und Dow. Transgenes Saatgut befindet sich sogar zu 91 Prozent in einer Hand: Monsanto gilt auf diesem Gebiet als unangefochtener Marktführer. Hinzu kommt die geografische Monopolstellung der Großen – in Afrika beispielsweise beherrschen nur drei Konzerne den gesamten formellen Saatgutmarkt.

Allein die USA bauen auf 54,6 Millionen Hektar gentechnisch veränderte Pflanzen an, mehr als jedes andere Land der Erde. 2006 kamen 4,8 Millionen Hektar dazu, 2005 waren es 2,2 Millionen. Der Zuwachs war damit nicht nur höher als in den Jahren davor, es war auch die größte absolute Flächensteigerung unter allen Ländern im Jahr 2006. Hauptgrund dafür war die erhebliche Flächensteigerung von ca. 15 Prozent bei Mais.

Argentinien: 18 Millionen Hektar. Argentinien verfügt über 18 Prozent der weltweiten Anbauflächen gentechnisch veränderter Pflanzen, wobei die Hektarzahl um 5 Prozent, bzw. um 0,9 Millionen Hektar anstieg. Der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen - Sojabohnen, Mais und Baumwolle - wuchs kontinuierlich.

Brasilien: 11,5 Millionen Hektar. Brasilien verzeichnete einen 22-prozentigen Zuwachs der Anbauflächen, hauptsächlich für herbizidtolerante Sojabohnen. Insektenresistente Baumwolle wurde dagegen auf 120.000 Hektar zum ersten Mal für kommerzielle Zwecke angebaut.

Kanada: 6,1 Millionen Hektar. Kanada, einer der Pioniere beim Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen, erhöhte seine Anbaufläche in 2006 um 5 Prozent. Grund dafür waren Zuwächse bei Raps, Mais und Sojabohnen.

Indien: 3,8 Millionen Hektar. Indien verzeichnete mit 192 Prozent, bzw. 2,5 Millionen Hektar die höchste Wachstumsrate 2006. Die Anbaufläche für gentechnisch veränderte Baumwolle wurde nahezu verdreifacht. Damit übertraf Indien zum ersten Mal die Anbaufläche Chinas.

China: 3,5 Millionen Hektar. China erhöhte den Anbau von Bt-Baumwolle im Jahr 2006 von 3,3 auf 3,5 Millionen Hektar – dies entspricht einer Wachstumsrate von 6 Prozent. Paraguay: 2 Millionen Hektar. Paraguay hat seine Anbaufläche für gentechnisch veränderte Sojabohnen im Jahr 2006 um weitere 10 Prozent erhöht und hat jetzt einen Anteil von 90 Prozent an der gesamten Sojabohnenernte des Landes.

Südafrika: 1,4 Millionen Hektar. Südafrika hat seine Anbaufläche gentechnisch veränderter Nutzpflanzen im Jahr 2006 nahezu verdreifacht, wobei die Fläche im Jahr 2005 0,5 Millionen Hektar betrug. Insektenresistenter Weiß-Mais für Lebensmittel und Gelb-Mais für Tierfutter waren für den Zuwachs verantwortlich. 44 Prozent des Weiß-Mais und 50 Prozent des Gelb-Mais des Landes wurden als gentechnisch veränderte Varianten angepflanzt.

Uruguay: 400.000 Hektar. Uruguay vergrößerte seine Anbaufläche gentechnisch veränderter Pflanzen im Jahr 2006 erneut, wobei mehr als 350.000 Hektar gentechnisch veränderte Sojabohnen und mehr als 35.000 Hektar gentechnisch veränderter Mais gepflanzt wurden. Philippinen: 200.000 Hektar. Die Philippinen haben ihre Anbaufläche für gentechnisch veränderten Mais um mehr als 100 Prozent erhöht. Die Fläche im vergangenen Jahr betrug 70.000 Hektar.

Australien: 200.000 Hektar. Australien, einer der Pioniere beim Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen, verzeichnet aufgrund der fortwährenden, schwerwiegenden Trockenheit im Land einen Rückgang der Baumwoll-Anbaufläche. Ca. 90 Prozent des gesamten australischen Anbaus wird in Form von gentechnisch veränderten Varianten angepflanzt.

Rumänien: 115.000 Hektar. Nahezu 80 Prozent der Sojabohnensaat in Rumänien wurden 2006 in Form von herbizidtoleranten Varianten angepflanzt. Der Saat hatt allerdings beschlossen, den Anbau von gentechnisch veränderten Sojabohnen nach dem Eintritt in die EU im Jahr 2007 einzustellen.

Mexiko: 60.000 Hektar. Aufgrund behördlicher Probleme, welche die Einfuhr gentechnisch veränderter Baumwollsaat für den ersten Anbau verspäteten, ist die Produktion insektenresistenter Baumwolle im Jahr 2006 um ein Drittel auf 55.000 Hektar gesunken, wobei in diesem Jahr auch 5.000 Hektar gentechnisch veränderte Sojabohnen angebaut wurden.

Spanien: 60.000 Hektar. Inoffizielle Schätzungen weisen darauf hin, dass die Anbaufläche für gentechnisch veränderten Mais in Spanien im Jahr 2006 auf 15 Prozent des gesamten Maisanbaus von 370.000 Hektar angestiegen ist. 2005 verzeichnete man einen Zuwachs von 12 Prozent. Spanien steht weiterhin an der Spitze der EU, was den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen betrifft.

Kolumbien: 30.000 Hektar. Kolumbien setzte seine stetige Erhöhung des Anbaus insektenresistenter Baumwolle fort. Sie besitzt einen etwa 40-prozentigen Anteil an der Gesamternte. Kolumbien hat im Jahr 2006 auch erstmals ca. 1.000 Hektar herbizidtoleranter Baumwolle gepflanzt. Frankreich: 5.000 Hektar. Im zweiten Jahr des Anbaus gentechnisch veränderter Pflanzen (nach einer vierjährigen Pause) verzeichnete Frankreich im Jahr 2006 einen fünf- bis zehnfachen Zuwachs der insektenresistenten Maisflächen, wobei 500 bis 1.000 Hektar im Jahr 2005 gepflanzt wurden. Gentechnisch veränderter Mais hat unter den Landwirten des Landes stark an Bedeutung gewonnen, da diese im Vergleich zu anderen EU-Ländern deutlich höhere Erträge erwarten.

Iran: 4.000 Hektar. Obwohl es keine offiziellen Schätzungen für den Anbau von gentechnisch verändertem Reis im Iran gibt, weisen inoffizielle Schätzungen darauf hin, dass die Anbaufläche mindestens den 4.000 Hektar entsprechen wird, die im Jahr 2005 angepflanzt wurden.

Honduras: 2.000 Hektar. Honduras fuhr damit fort, seine Anbaufläche für insektenresistenten Mais zu vergrößern, wodurch der Umfang der Fläche im Jahr 2006 auf 1.000 Hektar anstieg. Auch wurden zum ersten Mal auf 1.000 Hektar herbizidtoleranter Mais angebaut.

Tschechische Republik: 1.290 Hektar. Das fünfte Land in der EU, das gentechnisch veränderte Pflanzen anbaute, verzeichnete eine zehnfache Steigerung der Bt-Maisproduktion im zweiten Jahr des Anbaus.

Portugal: 1.250 Hektar. Nach einer vierjährigen Pause hat Portugal im zweiten Jahr des erneuten Anbaus seine Anbaufläche für die Bt-Maisproduktion im Jahr 2006 nahezu verdoppelt.

Deutschland: 950 Hektar. In Deutschland wird nur eine kleine Fläche Bt-Mais angebaut. Jedoch hat sich die Hektarzahl gegenüber den 350 Hektar in den letzten sechs Jahren 2006 fast verdreifacht.

Slowakei: 30 Hektar. Als „jüngstes“ Land, das gentechnisch veränderte Pflanzen anbaute, hat die Slowakei in ihrem ersten Jahr des kommerziellen Anbaus eine kleine Fläche an Bt-Mais angebaut. Die Slowakei ist das sechste EU-Land, das gentechnisch veränderte Pflanzen anbaut.

Weitere Infos zum Thema finden Sie in dem Bestseller DIE JOGHURT-LÜGE.

Co-Autor Vlad Georgescu im Gespräch mit HR3 (Audio)

Lesen Sie den Vorabdruck vom 17.8.2006 in zwei Teilen

Marita Vollborn, Vlad D. Georgescu
Die Joghurt-Lüge
Die unappetitlichen Geschäfte der Lebensmittelindustrie
Campus Verlag, Frankfurt a. Main/New York
336 Seiten, EUR 19,90/EUA 20,50/sFr 34,90
ISBN 3-593-37958-9



(2007-06-13)

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