H1N1: Schweinegrippe als Beginn der globalen Pandemie
Noch spricht ers niemand aus, und noch warnen Experten lediglich vor einem möglichen Risiko. Doch in Wirklichkeit zeigen sich Virologen über den Ausbruch erster humanen Schweinegrippe-Fälle in den USA und Mexiko mehr als besorgt. Denn erstmals handelt es sich um eine Mensch zu Mensch Übetragung eines vollkommen neuen Schweinevirus mit bislang unbekannten genetischen Abschnitten, der Erreger ist zudem gegen wichtige antivirale Mittel absolut resistent. Offensischtlich mutierte das Virus zu jener Horror-Variante, die die Weltgesunheitsorgansiation WHO bislang eher für die Vogelgrippe als realistisch ansah. Jetziges Hauptproblem: Die Ausgangsform von H1N1 ist nach Angaben von Christian Griot, Direktor des Instituts für Viruskrankheiten und Immunprophylaxe (IVI) im Schweizerischen Mittelhäusern bei Bern, "bei Schweinen nicht selten".
Auch in der Schweiz seien "Personen mit dem Schweine Influenza Virus angesteckt worden", erklärte Griot auf Anfrage von LifeGen.de, die Fälle hatten jedoch alle einen direkten Bezug zu Schweinebetrieben, gelten also als weniger relevant. Griot zufolge müsse man aber zunächst abklären, was genau in den USA geschen ist.
Auch Vogelgrippe außer Kontrolle?
Deutschland hat seinen ersten Vogelgrippe-Fall 2009: Eine im bayerischen Starnberg während einer Jagd erlegte Ente war mit dem als hoch ansteckenden geltenden H5N1 Virus infiziert. Deutschland hat nun die Europäische Kommission über den Vorfall informiert – es handelt sich gleichzeitig um den ersten Vogelgrippe-Fall 2009 innerhalb der gesamten Europäischen Union. Virologen weisen jedoch darauf hin, dass die H5N1-Infektion bei Stockenten generell nicht überrasche, weil die Wildtiere als Reservoir für den Erreger dienen. Die Infektion kommt dennoch zu einem brisanten Zeitpunkt. H5N1 zählt nämlich zu den möglichen Komponenten des kommenden Pandemie-Supererregers - und gelangte erst vor einem Monat aus der Forschungspipeline des Pharmariesen Baxter unkontrolliert in gleich vier europäische Labore, darunter auch hierzulande. Die Proben seien versehentlich mit dem H5N1 kontaminiert worden, Routinekontrollen aber nicht üblich, erklärte uns Baxter Deutschland Kommunikationsmanagerin Jutta Brenn-Vogt im Interview. Inzwischen haben sich in Europa österreichische und tschechische Behörden eingeschaltet.
Der auch auf den Menschen übertragbare Erreger der Vogelgrippe, H5N1, hat auch Nord-Amerika erreicht. Zwar handelt es sich bei den in Vancouver nachgewiesenen Viren nach Behördenangaben um einen wenig virulenten Stamm, auch betrifft der Befall derzeit lediglich Vögel. Doch die humane Form der avianen Influenza nahm in den letzten Wochen in China, Indonesien und Egypten ungewohnt schnell ihrel Lauf - bislang starben weltweit über 250 Menschen an den folgen der Ansteckung.
Der für den Menschen als hoch pathogen eingestufte Erreger der Vogelgrippe H7 hatte bereits im Juni 2008 Großbritannien erreicht. Wie die britischen Behörden in Oxfordshire damals mitteilten wurde das Virus in Laboruntersuchungen einwandfrei nachgewiesen. Daher habe man die Errichtung von 3 bzw. 10 Kilometer-Sperrzonen angeordndet. Die Maßnahmen kommen nicht von ungefähr: Der Erreger der Vogelgrippe, H5N1, scheint zur einer für den Menschen höchst gefährlichen Variante mutiert zu sein – das als H7 bezeichnete Virus könnte eine globale Pandemie auslösen. H7 unterscheide sich genetisch von H5N1, erklärte Terrence Tumpey vom Centers for Disease Control and Prevention
(CDC) in Atlanta. Genau das könnte Tumpey zufolge das Virus für den Menschen so gefährlich machen. Tatsächlich ergaben Laborversuche, dass H7 an bestimmte Proteine humaner Lungenzellen andockt – die Übertragung von Mensch zu Mensch ist somit möglich. Auch die Bundeshauptstadt bereitet sich auf eine kommende und schwere Grippe-Pandemie vor: Die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz hat den Rahmenplan Influenza Pandemie aktualisiert.
Dies wurde nach Angaben aus der Hauptstadt der Bundesrepublik aufgrund neuer Erkenntnisse und veränderter Rahmenbedingungen notwendig: "Es gilt als wahrscheinlich, dass es in absehbarer Zeit zu einer erneuten weltweiten Influenza-Epidemie (Pandemie) kommen wird". Tatsächlich hatte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) alle Staaten aufgerufen, sich auf eine Influenza-Pandemie vorzubereiten. Eine solche Pandemie könnte möglicherweise durch Veränderung des Vogelgrippevirus A (H5N1) entstehen. Bislang haben sich nur wenige Menschen mit diesem Virus infiziert - doch die Erreger sind auf dem globalen Vormarsch.
Und zwar immer nur dann, wenn sie sehr engen Kontakt mit erkranktem Nutzgeflügel hatten. Eine direkte Übertragung von Mensch zu Mensch ist nach Angaben der WHO bislang nicht nachgewiesen. "Jedoch kann dies in der Folge weiterer Veränderungen der sich ausbreitenden H5N1-Stämme nicht völlig ausgeschlossen werden", teilen die Berliner Gesundheitsbehörden mit.
Die Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz befasst sich seit mehreren Jahren mit den Gefahren einer Influenza-Pandemie und den daraus erwachsenden Konsequenzen für Berlin. Zum Schutz der Bevölkerung wurde der sogenannte Berliner Rahmenplan Influenza-Pandemie entwickelt und im Mai 2006 vorgestellt. Dieser Plan ist auf der Grundlage des vom Robert-Koch-Institut (RKI) veröffentlichten Nationalen Pandemieplans erstellt worden und wurde jetzt aktualisiert.
Das Ziel des Rahmenplans ist es, die Anzahl an Erkrankungen und an Sterbefällen während einer möglichen Influenza-Pandemie zu begrenzen und die medizinische Versorgung zu gewährleisten. Das öffentliche Leben soll in seinen notwendigen Strukturen aufrechterhalten und der wirtschaftliche Schaden begrenzt werden.
Der novellierte Pandemie-Plan steht ab sofort an dieser Stelle zum Download bereit.
Ungelöste Probleme bleiben weltweit bestehen - Angst vor Influenza und Vogelgrippe-Supererreger
Als besonders besorgniserregend gilt die Tatsache, dass sie derzeitigen Grippeimpfstoffe in den USA gegen Influenza zunehmend wirkungslos sind, als Co-Infektionen bei betroffenen Patienten treten zudem bereits erste Fälle von MRSA auf. Darauf hat die US-amerikanische Seuchenbekämpfungsbehörde CDC bereits am 8. Februar 2008 in einem entsprechenden Meeting hingewiesen. Fachleute zeigen sich über die Widerstandskraft der Viren erstaunt: Eine derartige Erreger-Resistenzwelle habe man zum letzten Mal vor 30 Jahren beobachtet - 2 der 3 amerikanischen Vakzinkomponenten gegen Influenzaviren sind laut CDC „off-target“, also wirkungslos. Denn 93 Prozent der zirkulierenden Influenza B-Viren gehörten nämlich zur so genannten Yamagata-Linie, erklärte Joe Bresee, Chef der CDC Influenza Division. Dieser Erregerstamm erweise sich gegenüber der B-Komponente des diesjährigen Impfstoffs als resistent. (Foto: CDC)
Bei der B-Komponente handelt es sich um ein B/Malaysia/2506/2004-ähnliches Virus, das wiederum der so genannten Victoria-Linie angehört. Weil Victoria und Yamagata unterschiedlich sind, sei auch die Rate der Cross-Protection gering.
Resistenzen sind laut CDC auch bei dem A/H3N2 Subtyp, A/Brisbane/10/2007-like, beobachtet worden. Die Behörde warnt auch vor möglichen Co-Infektionen mit Staphylococcus aureus (MRSA) – bislang sei ein solcher Todesfall zu beklagen, fünf weitere Menschen werden auf Grund dieser Erregerkombination nach Meinung der CDC in den kommenden Tagen ihr Leben verlieren.
Auch Tamiflu-Resistente H1N1-Viren erreichen USA und Kanada
Auch der gegenüber dem Wirkstoff Oseltamivir zunehmend resistente Grippeerregerstamm H1N1 hat nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) jetzt auch die Vereinigten Staaten und Kanada erreicht. Laut US Centers for Disease Control and Prevention (CDC) sind in den USA mittlerweile fünf Prozent der getesteten Erreger gegenüber Tamiflu resistent. In Kanada liegt dieser Anteil bei etwa sechs Prozent, insgesamt 8 von 128 Proben reagierten laut WHO-Sprecher Gregory Hartl in Kanada nicht mehr auf den Wirkstoff Oseltamivir. Warum die Grippesaison 2007/2008 mit einer derart großen Resistenzwelle einhergeht, stellt die Fachleute vor einem Rätsel – und lässt die Wahrscheinlichkeit einer drohenden Pandemie weiter ansteigen. Foto: Pandemic Influenza: The Inside Story. Nicholls H, PLoS Biology Vol. 4/2/2006, e50. Licensed under Creative Commons conditions
Resistente Grippeviren breiten sich in Europa aus - und beschäftigen die WHO
Die ersten Hinweise kamen zunächst aus Norwegen - jetzt befasst sich die Weltgesundheitsorgansiation WHO und das European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC) damit: Die Erreger der Influenza trotzen zunehmend dem Wiirkstoff Oseltamivir . Zu diesem alarmierenden Ergebnis gelangte das Norwegian Institute of Public Health in einer aktuellen Publikation. Danach waren von insgesamt 16 Influenza A(H1N1) Viren immerhin 12 gegenüber dem Anti-Influenza-Mittel Tamiflu resistent. Das Influenza Virus A(H1N1) dominiert diesen Winter die Grippesaison in Norwegen und dem restlichen Europa, und führt zu einer harmloseren Variante der Erkrankung als sein Pendant A(H3N2), das im vergangenen Jahr in Norwegen wütete. Im Rahmen des sogenannten VIRGIL (European surveillance network for vigilance against viral resistance) - Programms hatten Seuchenforscher insgesamt 148 Proben aus 10 europäischen Ländern untersucht. 19 Proben zeigten eine Resistenz des Influenzaerregers gegenüber dem Wirkstiff Oseltamivir. 12 dieser Proben kamen aus Norwegen.
Wissenschaftler warnen vor verheerender Grippeepidemie - Wirtschaft bangt
Reinhard Kurth, Präsident des Robert Koch Instituts, warnte bereits im vergangenen Jahr vor einer flächendeckenden Influenza-Pandemie. Die Hiobsbotschaft kommt nicht von ungefähr, denn die Wahrscheinlichkeit einer solchen Pandemie innerhalb der nächsten dreißig Jahre wird von internationalen Experten mit 90 Prozent angegeben. „Im schlimmsten Fall kann eine Influenza-Pandemie bis zu 100 Mio. Menschen das Leben kosten, eine Gefahrenkonstellation wie jetzt hat es bisher noch nie gegeben“, erklärte hierzu der Direktor des Influenza-Programms der WHO.
H5N1: Vogelgrippe nimmt weltweit bedrohliche Dimensionen an
Auch der gefürchtete Erreger der Vogelgrippe H5N1 breitet sich weiter aus und beschäftigt erneut die Weltgesundheitsorganisation WHO. In einem am 18. Januar vorgestelltem Report beziffert die WHO die weltweit gemeldeten Todesfälle bei Menschen auf nunmehr 218, bei insgesamt 350 humanen Ansteckungen. Allein in Indonesien fielen bis jetzt 97 Menschen dem Erreger zum Opfer. Fälle von aviärer Influenza bei Tieren melden jetzt ebenfalls der Iran und die Ukraine. Großbritanninen hat ebenso mit dem Virus zu kämpfen - erst kürzlich hatte die südenglischen Grafschaft Dorset infizierte Wildschwäne registriert.
Auch China meldete die Erkrankung eines Vaters und seines Sohnes in der Provinzhauptstadt Nanjing. Damit starben in China seit 2003 allein bis Februar 2008 nach offiziellen Angaben 17 Menschen an den Folgen einer H5N1-Infektion.
Der westliche Teil der rund um Warschau gelegenen polnischen Woiwodschaft Masowien wiederum wurde im Dezember 2007 von der Vogelgrippe heimgesucht. Dort konnten Forscher das Virus bei verendeten Legehennen in einem Bauernbetrieb nachweisen. Menschen erkrankten allerdings nicht.
Angesichts dieser Entwicklung setzt die EU auf die Einführung eines Vakzins gegegn H5N1. Vorergebnisse der ersten klinischen Prüfung eines neuen Impfstoffs gegen die aviäre Influenza Subtyp H7N1 („Vogelgrippe“) haben indes gezeigt, dass der Impfstoff sicher ist und von gesunden Freiwilligen gut toleriert wurde. Das gab die Europäische Kommission im Herbst vergangenen Jahres bekannt. Der Impfstoff wurde - von der Entwicklung des Vakzinevirus bis zum Abschluss des ersten klinischen Versuchs - von einem europäischen Forscherteam entwickelt und aus dem Forschungsrahmenprogramm der EU kofinanziert. Die Europäische Kommission verkündete zudem die Ergebnisse ihrer jüngsten Aufforderung zur Einreichung von Vorschlägen für neue Influenza-Forschungsprojekte: mit über 27 Millionen Euro für 11 neue Kooperationsprojekte setzt die Kommission ihre seit langer Zeit bestehende Unterstützung für innovative wissenschaftliche Lösungen zur Bekämpfung dieser tödlichen Krankheit fort.
Lesen Sie dazu auch folgende Artikel bei LifeGen.de:
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(2009-04-26)
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