Sie sind unkonventionell, kommen aus allen Schichten - und sind in Sachen PR im Vergleich zu den Platzhirschen der Politik nur wenig erfahren: Aktive Mitglieder der Piratenpartei. Doch wer die verstaubte Politszene in Berlin entern möchte, sollte die Regeln der Kunst beherrschen. Auf welche Weise mediale Kommunikation wirklich funktioniert, wissen die Macher von LifeGen.de seit Jahren - als Freelancer erschienen ihre Artikel in den großen Medien der Republik, auch arbeiteten sie mitunter frei für Unternehmen wie Gruner + Jahr Corporate Media. Last not least gehören Marita Vollborn und Vlad Georgescu zu den Bestsellerautoren im Sachbuchbereich. Piraten sind sie keinesfalls, finden aber die Idee einer unverbrauchten Politik für mehr Bürgerrechte unterstützenswert. Hier kommen ihre Tipps.
Zu den gefährlichen Irrtümern vieler Parteien gehört die Vorstellung, wonach sich bestimmte Themen bei den Medien „platzieren“ lassen. Gewiss, vor allem auf regionaler und lokaler Ebene sind Politik, Wirtschaft und Zeitungslandschaft oft eng verwoben – was aber meist mit Anzeigenaufträgen zu tun hat. So übernehmen kleine Lokalzeitungen ganze Texte unredigiert und publizieren diese als redaktionellen Beitrag. Aus journalistischer Sicht ein Debakel, aber Alltag in Deutschland. Wer sich auf derartige „Berichte“ als PR-Waffe verlässt, liegt dennoch falsch. Denn die Akzeptanz bei den Rezipienten ist gering.
Weitaus wirksamer sind Medienpräsenzen in den überregionalen Zeitungen, Magazinen oder im TV – nur wie kommt man da hin? Eine der sinnvollen Anlaufstellen sind die Redaktionen der großen Nachrichtenagenturen. So unterhält allein DPA neben der Zentrale in Hamburg in den anderen Bundesländern Landesbüros. Allein das reicht freilich für eine Verbreitung einer Nachricht noch lange nicht aus. Will die Piratenpartei überregional via Agenturmeldungen auffallen, müssen News mit echtem Nachrichtenwert her: Zeitnah, aktueller Anlass, mit Hervorhebungsmerkmal.
SPD und CDU machen vor, wie das geht. So ist beispielsweise die Vorstellung eines Schattenkabinetts ein reines PR-Tool. Zwar wissen auch Nachrichtenagenturen, dass ein solches Team in einer solchen Konstellation nie zusammenkommen wird, weil keine Partei die absolute Mehrheit erringen wird. Dennoch dreht sich seit geraumer Zeit alles um eben diese Teams – Schattenminister geistern durch den Blätterwald und geben Statements ab, auf die sonst niemand hören würde.
Die Piratenpartei wäre demnach gut beraten, ein eigenes Schattenkabinett vorzustellen, um auf diese Weise eigene Kompetenzfelder zu besetzen. Ein Minister für IT-Sicherheit wäre ein Novum – und sinnvoller Counterpart zu Wolfgang Schäuble (CSU). Ein solcher Piraten-Schattenminister würde vermutlich einen Nachrichtenwert für die Agenturen besitzen.
Auch Themen wie Korruptionsbekämpfung (auch hierfür einen eigenen Minister) würden greifen. Die Antikorruptionsorganisation Transparency International hat sich beispielsweise durch ihr Engagement auf diesem Gebiet profiliert – aber auf politischer Ebene gibt es niemanden, der die Politik selbst überwacht. Auch eine solche News wäre bundesweit berichtenswert.
Zahn in Zahn damit würde das Gesundheitsministerium neu besetzt. Bis zu 50 Milliarden Euro lassen sich jährlich allein durch Korruptionsbekämpfung im Gesundheitswesen einsparen, diese Botschaft käme beim Wahlvolk ebenfalls gut an.
Der Bereich Soziales gehörte einst zu den Kernkompetenzen der SPD. Seit Hartz IV ist das Geschichte, die Glaubwürdigkeit der Genossen ist dahin. Auch hier können die Piraten punkten: Abschaffung von Hartz IV, weil existenzgefährdend für die Mittelschicht – wobei man dabei schon die Klientel der FDP anspricht.
Die Piraten müssten, um wahrgenommen zu werden, zudem auf Professionals setzen. Konventionelle Politiker sind meist Lehrer, Juristen oder Beamte – Fachminister, die sich auf ihren Gebieten wirklich auskennen, bleiben rar. Hier sollten die Piraten anders agieren – und damit signalisieren, dass sie kein Sammelsurium unverbesserlicher Nörgler, sondern eine kompetente Alternative zum bestehenden Spektrum darstellen.
Kann man Medien steuern? Im Prinzip nein, aber....
Pressekonferenzen über Themen mit Substanz kommen an, und verbreiten sollte man die Ankündigungen über Dienste wie newsaktuell, einer Tochter der DPA. Dort kostet jede Mitteilung zunächst bares Geld, aber die Nachricht gelangt an nahezu alle Medien und erreicht zusätzlich die politischen Entscheidungsträger.
Sinnvoll als Ziele sind auch die großen Fernsehstationen. Sendungen wie „Anne Will“ glänzen bisweilen durch altbekannte Gesichter der etablierten Politdinos – Piraten an Bord des ARD-Talks kämen gut. Dazu freilich sollte die Partei knackige Thesen und medial kompetente Vertreter haben, die beim Anblick einer Kamera weder in Narzissmus, noch in Panik verfallen.
Bestens geeignet als Kommunikationstool sind Interviews im Hörfunk. Dazu wiederum müssten Themenfelder besetzt werden, die sich vom mainstream absetzen – und die Lösungsvorschläge zur Krise im Lande aufzeigen.
In eigener Sache: Weil die Piraten gute Ideen in ihrem Forum mitunter gerne zerlegen, wozu zweifelsohne auch die Zerredung dieses Artikels gehören wird, hier noch der ultimative Hinweis: An PR-Aufträge jedweder Art seitens der politischen Parteien waren wir nie interessiert und werden es auch in Zukunft nicht sein. Wirtschaftliche oder finanzielle Beziehungen zur Piratenpartei Deutschland bestehen nicht.
(2009-09-03)
Für den Volltext-Zugang zu unseren Inhalten bitte mit Ihrem Usernamen/Passwort hier einloggen, wenn Sie bereits zahlender Abonnent von LifeGen.de sind. Passwort vergessen?
Falls Sie kein zahlender Abonnent sind, dann können Sie unseren ClickandBuy Service nutzen.
Bestellen Sie unseren KOSTENLOSEN Newsletter mit dem Nachrichten-Überblick