Verschuldung: Deutschland womöglich vor dem Staatsbankrott
Die Blicke richten sich nur nach Griechenland, und noch spricht es niemand offiziell aus. Doch gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP) macht auch der deutsche Schuldenberg enorme 74 Prozent aus - selbst nach den Kriterien des Finanzministeriums bedeutet das praktisch den Totalkollaps der Republik auf Raten. Ohne Währungsreform muss sich Angela Merkel die Frage gefallen lassen: Steht auch Deutschland vor dem Staatsbankrott?
Das jüngste Eurostat Jahrbuch umfasst 566 Seiten, doch die entscheidenden Zahlen finden sich in einer einzigen Tabelle auf Seite 88 des Papiers. Akribisch listen die Statistiker der Europäischen Union auf, wie hoch die Staatsverschuldung der einzelnen Mitgliedstaaten ist – gemessen in Prozent am Bruttoinlandprodukt (BIP) des jeweiligen Landes.
Danach liegt Italien mit 104 Prozent an der Spitze der maroden Staaten – selbst wenn die Menschen in Rom, Palermo oder Mailand ein Jahr lang arbeiten, erwirtschaften sie nach 365 Tagen weniger, als der Schuldenberg in Italien beträgt. Griechenland, mittlerweile auch offiziell als pleite angesehen, bringt es bei Eurostat auf 94 Prozent – womit Berlusconi immerhin einen Erfolg für sich verbuchen kann: Italien konnte sich wenigstens bisher dem Image des Bankrotts entziehen.
Ebenfalls im Abgrund befindet sich mit 84 Prozent auch Belgien, doch für Deutschland sieht die Lage kaum besser aus. 65 Prozent gemessen am BIP machte der konsolidierte Bruttoschuldenstand der Bundesrepublik im Jahr 2008 aus, mittlerweile liegt Deutschland bei der Staatsverschuldung bei desaströsen 74 Prozent.
aus. Warum Schäuble diese Zahlen vor der Wahl in NRW nicht auf die Diskussionsagenda setzt, bleibt das Geheimnis des Finanzministers. Vielleicht erklärt die Lage Zyperns das Schweigen aus Berlin: Das winzige Land steht mit 59,8 Prozent besser da als Deutschland – worüber Sarkozy in Frankreich wenig Schadenfreude empfinden dürfte. Seine Republik liegt Ende 2009 mit 79 Prozent auf Augenhöhe mit den Deutschen, und gleichermaßen tief im Defizitkeller.
Im Königreich Ihrer Majestät indes wendet sich das Blatt zum besseren. Nur noch 43 Prozent machte einst das Staatsdefizit an der Themse aus, inzwischen sind es auch dort 68 geworden. Sich dabei als Gewinner zu empfinden, wäre freilich wenig angebracht. Denn die richtig guten Staatsbilanzen kommen allesamt aus den Ländern des ehemaligen Ostblocks: Estland glänzt laut Eurostat durch kaum sichtbare 3 Prozent, auch Lettland, Rumänien, Bulgarien oder Polen lehren Deutschland das Fürchten. Selbst die Türkei steht in Punkto Staatsverschuldung besser da als die Bundesrepublik: Nur 38 Prozent gemessen am BIP macht der Schuldenberg aus und würde dadurch locker die Kriterien der EU erfüllen. Doch neben dem Halbmond statt eines Sterns haben die Türken noch eine andere Besonderheit im Vergleich zur EU zu bieten: Sie setzen weiterhin auf die Lira – und ignorieren den Euro.
Wie man aber die Zahlen eigentlich interpretieren soll, die sich von Jahr zu Jahr mnassiv verschlechtern, bleibt eine Wissenschaft für sich. Das Bundesministerium für Finanzen jedenfalls erklärt die Sache mit den Staatsbilanzen so: "Die durch ein Defizit entstehende Auslandsverschuldung ist nur tragfähig, wenn das Land als zahlungsfähig gilt. Als ein mögliches Kriterium für die Zahlungsfähigkeit kann die Nettoauslandsverschuldung in % des BIP betrachtet werden. Hier gelten als langfristig tolerierbar circa 60 % des BIP".
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