Afghanistan: Bundesregierung war vor Kriegsbeginn über Rohstoff-Lagerstätten informiert
Die Nachricht lief Mitte Juni als Sensation über die deutschen Ticker, selbst große Medien brachten die News als Schwerpunktthema. Danach haben US Militärs rein zufällig enorme Bodenschätze in Afghanistan entdeckt - auch auf der heutigen Afghanistan-Konferenz ein vermeintlich brisanter Punkt. Peinliche PR-Panne: Ein einfaches Googeln unter "USGS Afghanistan" hätte die Politredakteure und Agenturexperten schon am 14. Juni 2010 zum US Geological Survey geführt - und die hat die Satellitenerkundung Afghanistans bereits 2006 abgeschlossen. Deutschland wiederum ist seit 1964 geologisch in Afghanistan aktiv - die Bundesregierung war somit lange vor Beginn des Krieges über bestehende Lagerstätten bestens informiert.
Das amerikanische Innenministerium stellt die Daten zur Erkundung Afghanistans zudem seit Jahren ins Netz, Fotos und Dokumente sind ohnehin frei zugänglich. Das sogenannte USAID-USGS PASA agreement wurde im September 2004 unterschrieben. Wirklich neu oder sogar geheim ist an Berichten demnach eigentlich nichts.
Die als neu eingestuften Nachrichten entpuppen sich somit nicht nur als alter Hut, sondern als globale geologische Kooperation. Denn mitgemacht am "airborne geophysical and remote sensing survey of Afghanistan" haben immerhin etliche Einrichtungen, darunter internationale Militärforscher:
Afghanistan Geological Survey
Afghanistan Head Office of Geodesy and Cartography
Afghanistan Ministry of Mines and Industries
British Geological Survey
Canadian Forces Mapping and Charting Establishment
Combined Forces Command - Afghanistan
U.S. Agency for International Development
U.S. Bureau of Land Management
U.S. Department of Defense Afghanistan Reachback Office
U.S. Naval Research Laboratory
Die Dokumente sind online verfügbar und werden neben der USGS auch vom US amerikanischen Innenministerium online zur Verfügung gestellt - können demnach von jedermann zu jeder Zeit seit Jahren eingesehen werden.
Bundesregierung seit Jahrzehnten bestens informiert
Auch die Bundesregierung dürfte über die geologischen Potenziale Afghanistans bestens Bescheid wissen, wie ein Blick auf die Internetseite der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover demonstriert. Darin heißt es:
"Die BGR war bereits im Zeitraum 1964 bis 1979 im Rahmen der Technischen Zusammenarbeit (TZ) in Afghanistan tätig. Die Schwerpunkte lagen damals im Aufbau Geologischen Dienstes und in der Beratung bei geologischer Kartierung, Lagerstättenerkundung, Wasserversorgung und Beratung des Planungsministeriums in georelevanten Fragen. Die afghanischen Partner der BGR sind das Ministry of Water and Energy sowie das Ministry for Mines and Industry, die Kabul University und das Kabul Polytechnic Institute. Das Land hat den Status eines Schwerpunktpartnerlandes der deutschen Entwicklungszusammenarbeit".
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(2010-07-21)
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