Radionuklide: Staatliche Forschung deklassiert Big Pharma
Die Nachricht gleicht einer Sensation - und könnte eine Kehrtwende in Deutschlands Forschungspolitik einleiten: Das Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf (HZDR) erhält die erste deutsche Zulassung für ein radioaktives Arzneimittel mit dem Wirkstoff Natrium(Fluor-18)fluorid, mit dem sehr zuverlässig Knochenmetastasen diagnostiziert werden können. Der Clou: Kliniken sind in Zukunft nicht mehr auf das extrem seltene Radionuklid Technetium (Tc-99m) angewiesen. Damit erhalten pharmazeutische Großkonzerne ernsthafte Konkurrenz aus dem Großforschungsbereich der Bundesrepublik - anfallende Gewinne kämen im lukrativen Radionuklidmarkt nicht mehr den gloabeln Playern, sondern dem Staat zu.Twittern
Tatsächlich beantrage das HZDR eine Zulassung für das radioaktiv markierte Natriumfluorid ([18F]NaF) mit dem Arzneimittelnamen NaFRos, mit dem Knochenmetastasen nachgewiesen werden können - und dies mit hoher Sensitivität.
Mit der Zulassung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte könne das HZDR "das radioaktiv markierte Natriumfluorid nun auch an andere nuklearmedizinische Einrichtungen abgeben – zuvor konnte die Substanz nur im eigenen Haus an Patienten angewendet werden", heißt es in einer entsprechenden Mitteilung.
Dr. Frank Füchtner, der zuständige Leiter für die Herstellung von radioaktiven Arzneimitteln im HZDR, sagt: „Mit unserem zugelassenen Radiopharmakon NaFRos werden sowohl Nachweis wie auch Aussagen zur Lokalisation von Knochenmetastasen verbessert und wir erhoffen uns, dass so auch die Therapie von Patienten entscheidend zielgerichtet beeinflusst wird. Für uns ist aber auch wichtig, dass wir mit unserem Mittel eine zuverlässige Diagnostik von Knochenmetastasen sicherstellen können, die abgekoppelt ist von der nicht immer sichergestellten Verfügbarkeit von Technetium.“
Großforschung vs. Rohstoffmangel
Technetium-99m wird weltweit in einer begrenzten Anzahl von Forschungsreaktoren hergestellt. In der jüngsten Vergangenheit kam es – bedingt durch das Alter dieser Reaktoren – wiederholt zu Versorgungsengpässen mit Technetium-99m, die auch die Patientenversorgung hinsichtlich der nuklearmedizinischen diagnostischen Möglichkeiten der Skelettszintigraphie stark beeinträchtigte. Das neue Verfahren behebt diesen Mangel.
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