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Naturschutzgebiet Hainholz wird 50 – außerhalb geht der Gipsabbau weiter

Jubiläen sind langfristige Wiedervorlagen, so weiß es der moderne Volksmund – und sie sind eine Gelegenheit, alten Freunden auf die Schulter zu klopfen. So auch an einem nasskalten Spätherbst-Sonntag am südlichen Harzrand: Dort traf sich am 5. November ein illustrer Kreis aus Staatsbediensteten der ehemaligen Oberen und heutigen Unteren Naturschutzbehörde, aus Geologen, Vertretern der Landwirte, des Landvolks und der Forstgemeinschaften, einigen wenigen Politikern und Naturschützern sowie einem interessierten, wohlgesinnten Publikum auf dem Hof des Bioland-Bauern Daniel Wehmeyer, um den 50. Geburtstag des Naturschutzgebietes Hainholz angemessen zu begehen. Alles gut im Harzer Hotspot der Biodiversität?
von Marita Vollborn


Geladen hatte der Förderverein Deutsches Gipsmuseum und Karstwanderweg e.V. und zu Wort kamen in erster Linie die Pioniere der ersten Stunde. So gab der Geologe Firouz Vladi, den Einwohnern Osterodes als engagierter Referent in der Erwachsenenbildung gut bekannt, umfassend Einblick in die Anfangsjahre des Naturschutzgebietes Hainholz, das er bereits während seines Studiums Anfang der 1970er Jahre zusammen mit Kollegen wie Erich Mattern, Fritz Reinboth, Martin Seeger und Stephan F. J. Kempe erforschte. Unter anderem entdeckten die jungen Wissenschaftler damals die Lichtensteinhöhle, eine etwa 115 Meter lange Höhle, die um das erste Jahrtausend vor Christus als Kult- und Bestattungsplatz genutzt wurde.

Die menschlichen Knochen, die dort gefunden wurden, bieten den weltweit größten Erbsubstanz-Pool aus der Bronzezeit. Die Lichtensteinhöhle zählt damit zu den herausragendsten bronzezeitlichen Fundstätten Deutschlands. Stephan F. J. Kempe, bis 2015 Professor für Allgemeine Geologie und Stoffkreisläufe am Institut für Angewandte Geowissenschaften der TU Darmstadt, erzählte aus der Zeit der späten 1960er Jahre, als er im Rahmen des Projekts „Jugend forscht“ mit seinen Schulkameraden Willi Twardoz, Lutz Möller und Peter Gürtler die Jettenhöhle bei Düna genauer unter die Lupe genommen hatte und dafür den Landessieg für Hamburg und einen 3. Bundespreis erzielte. Die Jettenhöhle, nahe Düna gelegen, besteht aus einem etwa 600 Meter langen Hauptgang, von dem zahlreiche kleinere Verzweigungen abgehen, 160 Meter davon sind begehbar. Sie beherbergt einige seltene Tierarten, darunter das Große Mausohr, eine Fledermausart. Um deren Überleben zu sichern, bemühen sich die Naturschützer, die Höhle aus dem Fokus der Öffentlichkeit zu rücken, sie in touristischen Karten nicht verzeichnen zu lassen und keinerlei Werbung für sie zu machen.

Gemeinsam mit seinen Mitstreitern setzte sich Stephan F. J. Kempe Ende der 1960er Jahre gegen die drohende Zerstörung der einmaligen Gipskarstlandschaft um Hainholz und Beierstein durch die Gipsindustrie ein, die bis heute die europaweit einmalige Landschaft bedroht. So organisierte er auf dem 5. Internationalen Kongress für Höhlenkunde in Stuttgart Unterschriftenaktionen und schrieb in Zeitungen gegen den Raubbau an. Dank solcher Initiativen war es möglich, dass das Gebiet um Hainholz und Beierstein endgültig unter Naturschutz gestellt wurde.

Heute umfasst das Naturschutzgebiet „Gipskarstlandschaft Hainholz“ insgesamt 641 Hektar. Es ist gekennzeichnet durch besondere geologische Erscheinungen des Gipskarsts wie Karstkegel, Erdfälle, Senken, die man Dolinen nennt und Schlotten, die Höhlen im Gestein. Gerade in den Anfangsjahren des NSG Hainholz haben sich viele Wissenschaftler um die Erforschung der letzten Kulturlandschaft auf Gips in Niedersachsen verdient gemacht, haben die besonderen Standorte, den Ahorn-Schluchtwald, den Waldgersten- und Seggenbuchenwald, den Hainsimsen-Buchenwald, die Blasenfarn- und Hirschzungengesellschaften und Enzian-Schillergrasrasen detailliert untersucht.

Die geologisch bedingte Standortvielfalt ermöglichte nämlich einer äußerst artenreichen Vegetation das Überleben, viele bedrohte und seltene Pflanzen und Tiere konnten sich ansiedeln.

Und dennoch: Auf der Veranstaltung wagte offensichtlich niemand davon zu sprechen, mit welchen Mitteln die Gipsindustrie dem Land Kompromisse abgerungen hat, und wie tief die Wunden sind, die im Zuge von Vergleichen in diese einmalige Landschaft geschnitten wurden und noch immer werden. Auch muss das Land, und somit der Steuerzahler, für den von der Gipsindustrie geltend gemachten Ertragsausfall bluten. 1981 beispielsweise verpflichtete sich das Land Niedersachsen in einem Vergleichsvertrag mit der Firma RIGIPS GmbH, Bodenwerder, zu einer Zahlung von sechs Millionen DM, um die von der Gipsindustrie vorangetriebenen Rechtsstreitigkeiten endlich beilegen zu können. Außerdem sollte das Geld dazu dienen, es der Firma zu erleichtern, von der bisherigen Verarbeitung von Zechsteingips auf die Verarbeitung von Muschelkalkgips (wie er in großen Mengen in Niedersachsen vorkommt) umstellen zu können – was praktisch einer Subventionierung durch die öffentliche Hand gleichkommt. Der Preis für den Naturschutz – und damit für die in diesem Gebiet angesiedelte einmalige Flora und Fauna – war hoch: Um das Hainholz zu retten, wurden die Gebiete Lichtenstein, Kreuzstiege und Bloßenberg geopfert. Beispiele des Ausblutens lassen sich einige finden. So beantragte die Firma Knauf im Jahr 2004 eine Änderung der Renaturierung des bestehenden Steinbruchs an der B 241. Außerdem erhob Knauf Anspruch auf weitere 15 Hektar Abbaugebiet „Am kleinen Pfingstanger“ oberhalb des Osteroder Stadtdorfes Ührde. Die Naturschutzverbände versuchten zwar, durch einen Flächentausch die überaus wertvollen Wiesengebiete der Hopfenkuhle oberhalb des Wildschweingeheges aus der seit den 1970er Jahren bestehenden Abbaugenehmigung auszulösen, scheiterten aber: Ausgerechnet dort steht der Gips besonders mächtig an, ein Verzicht kam für Knauf nicht in Betracht.

Verzicht, Einsehen und Naturschutzziele stehen mitnichten auf der Agenda der Gipsindustrie, und nur allzu oft werfen Behörden und auch Naturschutzverbände das Handtuch vor dem ungleichen Gegner. Gekämpft wird mit harten Bandagen – und mit moralisch fragwürdigen Methoden. Selbst vor Korruption und Bestechung der Entscheidungsträger schreckt die Gipsindustrie nicht zurück, wird in Naturschutzkreisen gemunkelt. Wie viel Wahres in solchen Vorwürfen steckt, könnten Whistleblower klären, doch die sind rar gesät. Zu süß schmecken Macht und Mammon, und bislang mag niemand Pension und Seilschaften aufs Spiel setzen. Fakt jedenfalls ist, dass die großen Siege nicht der Naturschutz davonträgt, und es der Gipsindustrie auch weiterhin gelingt, ihre Gier nach Naturgips auch in ausgewiesenen Schutzgebieten zu stillen. Auf diese Weise wurden in Niedersachsen bis heute mehr als 50 Prozent der einmaligen Landschaft vernichtet – ungeachtet aller Lippenbekenntnisse von Behördenvertretern und Politikern.

Naturzerstörung durch Gipsabbau geht weiter

Entgegen der Behauptungen der Gipsindustrie ist nicht ein einziger abbautechnischer Eingriff ökologisch ausgleichbar, keine ausgebeutete ehemalige Gipskarstlandschaft lässt sich wiederherstellen. Unwiederbringlich gehen mit dem Abbau die angestammten Pflanzen- und Tiergesellschaften zugrunde. Dagegen ist Kreisrätin Christel Wehmeuer sicher, dass der Spagat zwischen Naturschutz und Wirtschaftsförderung gelingen könne, immerhin seien bereits rund zehn Millionen Euro in diesen Bereich geflossen, wie sie auf der Jubiläumsveranstaltung proklamierte. Welche Akteure, welche Projekte allerdings von diesen Mitteln profitiert haben, und welche Ergebnisse im Sinne von Biodiversität und Artenschutz sie zeitigten, müsste die aktuelle Forschung klären. Diese allerdings darbt: In den vergangenen Jahren zogen sich die Länder immer weiter aus der Finanzierung der Wissenschaft zurück; infolgedessen stieg der Anteil an Drittmitteln, Gelder, die nicht von den Bundesländern kommen (die für die Bildung zuständig sind), sondern neben Bund und EU zunehmend aus der Wirtschaft.

Im Durchschnitt wirbt jeder Professor in Deutschland 255.000 Euro an Drittmitteln ein. Entsprechend groß ist der Einfluss der Wirtschaft. Inzwischen zahlt die Industrie nicht nur für bestimmte Projekte und gibt damit Inhalt und Richtung der Forschung vor, sie finanziert sogar die Lehrstühle und die Professoren. Wer mit wem verquickt ist, wird der Öffentlichkeit natürlich nicht kommuniziert.

Nur eine Bestandsanalyse, ein Monitoring, könnte Aufschluss darüber geben, wie sich Flora und Fauna innerhalb und außerhalb der Schutzgebiete verändert haben. Allgemeine Zahlen allein geben darüber keine Auskunft, davon geht auch Jens Palandt, Leiter des Referats Artenschutz, Biodiversität und Großschutzgebiete am niedersächsischen Umweltministerium, aus. „Wir können uns nicht darauf ausruhen, dass es in Niedersachsen rund 30.000 Tierarten und 2.000 Blüten- und Farnpflanzen gibt“, sagte er während der Jubiläumsveranstaltung zum 50. Gründungstag des NSG Hainholz, „die Flächenverluste in Niedersachsen sind gravierend, und auch die zu intensive Landbewirtschaftung trägt zum Artenschwund bei.“ So seien die Verluste an Wiesenvögeln beunruhigend. Er verwies darauf, dass die Gipskarstlandschaft zu den bundesweit 30 Hotspots der Biodiversität gehöre und entsprechend rückhaltlos bewahrt werden müsse.

Das Wie eines solchen Schutzes wird über Wohl und Wehe des Hainholzes (wie auch anderer Naturschutzgebiete) entscheiden. Wer in den vergangenen Jahren mit offenen Augen und Ohren Hainholz und Beierstein durchwandert hat, wird feststellen, dass es auch hier stiller und ärmer geworden ist. Die sukzessive Aufstockung des weidenden Viehbestandes führt mancherorts regelmäßig zur Überweidung: Zertretene Wurzelanläufe der Bäume, ganzjährig kahle Flächen, komplett verbissene Blühsträucher und wachsende Brennnessel-, Hahnenfuß- und Ampferflächen sind nur einige Hinweise auf eine zu intensive Nutzung. Gleichzeitig wird das Gebot, Feld- und Wiesenraine zu schützen, missachtet, werden Weidezäune bis an den Wegrand geführt, die Raine mehrfach pro Jahr gemäht und gemulcht. Blütenpflanzen – und damit Insekten – haben auf diese Weise keine dauerhafte Überlebenschance, und mit ihnen verschwinden die Vögel, die durch den steten Schwund an Hecken ohnehin immer seltener Brutmöglichkeiten, Unterschlupf und Nahrung finden. Von einer behutsamen, vorausschauenden und nachhaltigen Bewirtschaftung kann hier kaum die Rede sein. Solange die Ökonomie die Ökologie um Längen schlägt, wird das Hainholz in seiner jetzigen Form wohl kaum bestehen können, im Gegenteil: Auf diese Weise werden Fakten für die Gipsindustrie geschaffen. Denn wo die Vielfalt der Arten verloren gegangen ist, ist ein Schutz nicht mehr dringend notwendig , und der Weg ist frei für die Zerstörung der restlichen 50 Prozent an Gipskarstlandschaft.


(2017-11-06)

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