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Bienensterben: EU-Kommission eröffnet Kampf gegen Verursacher


Angesichts des dramatischen Bienensterbens in Europa hat die EU-Kommission ein Diskussionspapier vorgelegt, das als "Grundlage für gemeinsame Maßnahmen auf EU-Ebene dienen soll". Pestizidhersteller könnte der Vorstoß aus Brüssel womöglich teuer zu stehen kommen. Denn einen direkten Zusammenhang zwischen dem Bienensterben und bestimmten Chemikalien hatten deutsche Forschungseinrichtungen bereits im Juni 2008 attestiert. So ist nach Auffassung des Julius Kühn-Instituts (JKI) "eindeutig davon auszugehen, dass Clothianidin hauptsächlich für den Tod der Bienen vor allem in Teilen Baden-Württembergs verantwortlich ist". Das Bienensterben durch das Auftreten von Krankheiten erklären zu wollen sei wissenschaftlich nicht tragbar. (Foto: Wikipedia)


In den vergangenen Jahren wurde in verschiedenen Ländern der Welt ein erhöhtes Bienensterben beobachtet. Wissenschaftliche Studien konnten laut EU-Kommission "bisher weder die Ursache noch das genaue Ausmaß des Problems ermitteln".

Die Kommission irrt. Denn von 66 im Zusammenhang mit den Schadfällen „Maisaussaat“ untersuchten Bienenproben wiesen die chemischen Analysen des JKIs im Juni 2008 bis auf eine Ausnahme den Wirkstoff Clothianidin nach. Während 27 Proben zwischen 2 und 10 Mikrogramm (= 2 - 10 Millionenstel Gramm) Wirkstoff/kg Bienen enthielten, wiesen 32 Proben einen Wirkstoffgehalt zwischen 10 und 100 Mikrogramm/kg Bienen auf. Eine Probe enthielt 212 Mikrogramm Wirkstoff/kg Biene; die restlichen fünf Proben lagen unter 2 Mikrogramm. Die in den letzten Wochen durchgeführten Untersuchungen des JKIs bestätigen weiterhin die Vermutung, dass der Wirkstoff während der Aussaat des Maissaatgutes von diesem abgerieben wurde und die entstandenen Stäube über Verfrachtungen in der Luft auf blühende und von Bienen beflogene Pflanzen gelangt sind.

Speziell zu den in der Rheinebene in Baden-Württemberg und Bayern aufgetretenen Bienenvergiftungen mit Verdacht auf Schadursache „Maisaussaat“ erhielt die Untersuchungsstelle für Bienenvergiftungen des Julius Kühn-Instituts vom 30. April bis 3. Juni 156 Proben: 85 Bienenproben, 48 Pflanzenproben und 23 sonstige Proben (Pollen, Waben, Erde). 68 dieser Bienen-, 14 der Pflanzen- und 3 der sonstigen Proben stammen aus der Rheinebene in Baden-Württemberg, 14 Bienen-, 18 Pflanzen- und 2 sonstige Proben aus der Region Passau in Bayern. Wie bereits in unseren Presseinformationen vom 9. und 16.5.2008 dargestellt, stammen die Einsendungen aus Gebieten, in denen Saatgut­ zur Bekämpfung des Maiswurzelbohrers mit dem Wirkstoff Clothianidin behandelt worden war. Aus allen anderen Regionen Deutschlands liegen derzeit lediglich 3 Bienen-, 2 Pflanzen- und 1 sonstige Probe vor, bei denen die Einsender als Schadursache „Maisaussaat“ vermuten. Insgesamt erhielt das JKI nach eigenen Angaben im Jahr 2008 bisher 124 Bienenproben, 77 Pflanzenproben und 26 sonstige Proben (Waben­stücke, etc.) aus dem gesamten Bundesgebiet.

Zusammenhang zwischen Pestiziden und Bienensterben wurde bereits im Jahr 2008 nachgewiesen

Die Untersuchung des Pollenspektrums aus dem Haarkleid der Bienen ergab in den bisherigen Proben, dass überwiegend viele verschiedene Trachtpflanzen und nicht ausschließlich Massentrachten wie Raps oder Obst beflogen wurden. In einigen Proben überwog der Anteil an Rapspollen. Viele der bisherigen Pollenanalysen zeigen einen hohen Anteil an Löwenzahn- und Ahornpollen, deren Blühzeitpunkt in den Schadregionen gleich­zeitig mit der Aussaatzeit von Mais lag. Diese Ergebnisse lassen darauf schließen, dass nicht Fehlanwendungen in einer einzelnen Kultur wie Raps oder Apfel als Schadursache in Frage kommen. Sie bekräftigten den Verdacht, dass die verschiedenen Trachtpflanzen mit Clothianidin kontaminiert waren.

Die Bienenschäden können laut JKI nicht mit dem Auftreten von Bienenkrankheiten erklärt werden. Der Befall mit Nosema-Sporen war nur in 2 der untersuchten Proben hoch; in 17 Proben wurde ein mittlerer Befall, in 47 Proben ein geringer Befall festgestellt. "Es wurden keine Anzeichen auf weitere Bienen­krankheiten bei diesen Bienenproben entdeckt", heißt es in einer entsprechenden Zusammenfassung der Ergebnisse.

Der eindeutige Nachweis der Herkunft des Clothianidins aus dem Abrieb des Saatguts wurde laut JKI über den gleichzeitigen Nachweis des Wirkstoffs Methiocarb bestätigt. Methiocarb, das zur Verhinderung von Krähenfraß angewandt wird, wurde bei einigen Chargen des gebeizten Maissaatguts zusätzlich eingesetzt. Eine Auswahl der eingesandten Proben wird weiter gezielt auf das Vorhandensein von mehreren hundert Wirkstoffen analysiert, um mögliche Wechselwirkungen mit anderen Wirkstoffen oder andere Schadursachen zu erkennen. Allerdings ist ein Vergleich der Probenwerte mit den in Laborversuchen ermittelten Toxizitätsdaten wie z.B. der mittleren letalen Dosis (LD50) aufgrund der Probennahme nicht oder nur in wenigen Fällen direkt möglich.

Sollten diese Ergebnisse nun auch in die Überlegungen der EU-Kommission einfließen, wäre das für die Hersteller der entsprechenden Chemikalien ein Desaster: Die Bienenzucht ist in der Europäischen Union weit verbreitet, es gibt etwa 700 000 Imker, von denen die Mehrzahl die Bienenzucht als Hobby betreibt.


(2010-12-08)

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