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Warum unser Land vor einer Zeit der Revolten steht

Kinderarmut, horrende Managergehälter, eine in weiten Teilen der Bevölkerung zunehmende Depression und unsichere Jobs - der in den Medien im Jahr 2007 nahezu unisono angepriesene Aufschwung erweist sich heute für Millionen von Bundesbürgern als Illusion, die Ruhe im Lande scheint trügerisch. Denn die Ära der Vollbeschäftigung ist entgegen der offiziellen Verlautbarungen vorbei - massive Fehentscheidungen und Eigennutz in Politik und Wirtschaft bedrohen die demokratische Grundordnung der Bundesrepublik. Ein Horrorszenario? Keinesfalls, wie die Bestsellerautoren Marita Vollborn und Vlad Georgescu in ihrem Buch "Brennpunkt Deutschland" auf über 300 Seiten darlegen. Die schonungslose Analyse zum Status quo der Republik erschien vor genau 11 Monaten im Gustav Lübbe Verlag - und ist heute aktueller denn je. Lesen Sie an dieser Stelle einen exklusiven Buchauszug.


Dass Arbeit hierzulande im Vergleich zu anderen Ländern teuer ist, beklagen Unternehmensverbände und Politiker nahezu unisono und benutzen diesen Umstand als Erklärung für die hohe Arbeitslosigkeit. Dabei vergessen sie offenbar, dass über 21 Prozent aller abhängig Beschäftigten in Deutschland Niedriglöhne beziehen. Wer im Westen der Republik unter 9,83 Euro und im Osten weniger als 7,15 Euro pro Stunde verdient, arbeitet laut Definition bereits für einen Niedriglohn. Mindestens sechs Millionen Menschen sind demzufolge Niedriglohnbeschäftigte. Eine Studie des Instituts für Arbeit und Technik (IAT) am Wissenschaftszentrum Nordrhein-Westfalen belegt diese Entwicklung. Im Vergleich zu vielen anderen Untersuchungen basierte diese Studie auf den reinen Brutto-Stundenlöhnen. Das Fazit fällt ebenso schlicht wie ernüchternd aus: „In einem Minijob verdient fast jede/r schlecht.“

Dabei gibt es deutliche Unterschiede bei der geographischen Verteilung der Niedrigverdiener. Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (IW) kommt für Gesamtdeutschland auf einen Niedriglohnanteil von 23,4 Prozent. Doch diese Zahl spiegelt die wahren Verhältnisse kaum wider: Während in den alten Bundesländern 20,3 Prozent aller Erwerbstätigen Niedriglohn-Bezieher sind, macht dieser Anteil in den alten Bundesländern 38,6 Prozent aus. Rund 2,6 Millionen abhängig Beschäftigte arbeiten sogar für Stundenlöhne von 5,37 Euro (Ost) oder 7,38 Euro (West). Dass das Thema Niedriglohnbeschäftigung in Deutschland kein Randphänomen ist und massive Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt hat, wissen Ökonomen nur zu gut. Den Politikern freilich passt das wenig ins Konzept, belegen die Fakten doch deren Unvermögen in Sachen Arbeitslosigkeitsbekämpfung. Tatsächlich erschüttert die bundesdeutsche Niedriglohn-Realität eine der zentralen Dogmen eines jeden Arbeits- oder Wirtschaftsministers: Die vielfach angebrachte Theorie, wonach niedrige Löhne mehr Beschäftigung garantieren würden, verliert ihre Daseinsberechtigung. Ausgerechnet der Osten der Republik, in dem Niedriglohnbeschäftigung nahezu der Normalfall ist, krankt seit der Wiedervereinigung an Arbeitslosenraten von weit über zwanzig Prozent.

Hinzu kommt ein weiterer Aspekt. „Die Aufstiegschancen aus einem Niedriglohnjob in eine besser bezahlte Tätigkeit war an der Jahrtausendwende innerhalb der EU nur in Großbritannien ebenso schlecht wie in Deutschland“, schreiben die Wirtschaftsforscher des IAT, und die Europäische Kommission sieht das ähnlich. Tatsächlich handelt es sich bei den Empfängern von Niedriglohn keinesfalls lediglich um Menschen ohne Berufsausbildung oder mit einer so genannten niedrigen Qualifikation. Nahezu jeder zehnte Niedriglohn-Bezieher verfügt über einen akademischen Abschluss, jeder fünfte über eine abgeschlossene Berufsausbildung. Selbst das immer wieder vorgebrachte Argument vom schlecht bezahlten Minijob als eigentliche Quelle der Niedriglöhne erweist sich als trügerisch: 14,6 Prozent aller Niedriglohn-Bezieher sind Vollzeitbeschäftigte.

Juristisch sind derartige Beschäftigungsverhältnisse ohnehin problematisch. Denn sie widersprechen dem so genannten Diskriminierungsverbot im Teilzeit- und Befristungsgesetz. Im harten Kampf um Lohn und Brot spielen derartige Überlegungen allerdings bei jenen, die um jeden Preis auf einen Job angewiesen sind, keine Rolle. Arbeitgeber hingegen profitieren vom Geschäft mit dem Billiglohn. Häufig begründen Firmen die fragliche Bezahlpraxis damit, dass die Beschäftigten bei Minijobs keine Sozialabgaben abführen müssen. In Wirklichkeit aber erweist sich diese gesetzlich gewollte Konstruktion als reiner Vorteil für die Arbeitgeber. Nach Ansicht von IAT-Forschungsdirektorin Claudia Weinkopf wird die „Subventionierung“ der Minijobs, die eigentlich den Arbeitnehmern gilt, im Grunde an die Arbeitgeber weitergegeben: „Die erhebliche Zunahme der Minijobs seit der Reform von April 2003 lässt sich durch diese Praxis leicht erklären.“ Die Liste der Nachteile für Minijobber ist lang. So profitieren sie weder von einer Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder an Feiertagen, noch kommen sie in den Genuss von Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Schlimmer noch: Im Alltag müssen sie oftmals Illegales über sich ergehen lassen, wie das IAT unverblümt feststellt: „Aus der betrieblichen Praxis gibt es zudem Hinweise, dass Minijobber Krankheits- und Feiertage häufig nacharbeiten müssen.“ Nach ersten Zwischenergebnissen der Hartz-Evaluation sind Minijobs - anders als erhofft - für Arbeitslose kein Sprungbrett in die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Vielmehr stellte das Team um Weinkopf fest, dass gleichzeitig mit der Ausweitung der Minijobs ein deutlicher Rückgang der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung einherging.

Ein Blick in die europäischen Nachbarstaaten belegt, dass niedrige Löhne keinesfalls als Jobmotor fungieren. Ausgerechnet jene Länder, in denen Mindestlöhne vom Gesetzgeber vorgeschrieben sind, warten mit niedrigeren Arbeitslosenzahlen auf. Vor allem Jugendliche scheinen von staatlich vorgegebenen Margen in Sachen Lohn zu profitieren. So liegen die Arbeitslosenraten bei den 16- bis 24-Jährigen in den Niederlanden und Irland bei rund 8,5 Prozent – die Mindestlöhne betragen dort etwa acht Euro die Stunde. Schon in Großbritannien sinkt der Mindestlohn auf etwa 7,50 Euro, während die Arbeitslosenquote auf 12,9 Prozent steigt. Noch niedrigere Mindestlöhne garantiert Spanien mit 3,8 Euro – und fährt bei den Jugendlichen eine Arbeitslosenrate von 19,7 Prozent ein. Polen schließlich gewährt nicht einmal zwei Euro die Stunde als Mindestlohn, und zählt 36,9 Prozent der Jugendlichen zu den Arbeitslosen. Den bestehenden Zusammenhang zwischen höheren Mindestlöhnen und geringerer Arbeitslosigkeit haben mittlerweile die Verantwortlichen erkannt – vorerst in Großbritannien. Dort wurde der Mindestlohn am 1. Oktober 2006 auf 5 Pfund 35 angehoben – und liegt damit bei rund acht Euro pro Stunde(Wechselkurs vom 1. November 2006).

Hierzulande aber wird – noch – auf solche Schritte verzichtet. Und das, obwohl die Europäische Sozialcharta für Deutschland eine verbindliche Mindestlohnnorm verankert. Der Verstoß gegen die Sozialcharta bleibt allerdings folgenlos, denn die nach 1961 von den Mitgliedsstaaten des Europarates unterzeichnete und 1964 von der Bundesrepublik ratifizierte Charta hat keinen Gesetzescharakter. Sie definiert wichtige soziale Grundrechte, darunter die kostenfreie Schulbildung sowie den Arbeits- und Mutterschutz, und enthält darüber hinaus seit nahezu vier Jahrzehnten eine Mindestlohnklausel. Danach müssten sich die Vertragsstaaten an eine Untergrenze von sechzig Prozent des durchschnittlichen Nettolohns orientieren. Beherzigten deutsche Politiker den von der Bundesrepublik Deutschland unterschriebenen Vertrag, müsste ein Mindestlohn von 8,45 Euro die Stunde gezahlt werden.

...


Buchtipp zum Thema: Brennpunkt Deutschland. Warum unser Land vor einer Zeit der Revolten steht. Foto: Verlagsgruppe Lübbe Die Zeichen stehen auf Sturm. Spätestens seit Einführung der Hartz-Gesetze formiert sich in Deutschland ein massiver, teils militanter Widerstand gegen den Staat. Eine unliebsame Tatsache, die kaum ein Politiker wahrhaben will. Dabei sind die Indizien unübersehbar, und liegen den Innenministerien von Bund und Ländern vor. So registrierten Mitarbeiter des Berliner Landeskriminalamts die ersten Zusammenhänge zwischen Sozialabbau und Gewaltbereitschaft in der Silvesternacht des 31. Dezember 2002: Das Finanzamt Neukölln-Süd war in Flammen aufgegangen. Im Rausch des Jahreswechsels blieb der Anschlag, zu dem sich eine bis dahin unbekannte „militante gruppe“ (mg) bekannte, wenig beachtet. Doch keine drei Monate später schlug die linksextreme mg erneut zu, und ließ mehrere Jeeps der Bundeswehr in Flammen aufgehen.


Nicht minder gewaltbereit zeigen sich rechte Extremisten. Während sich die Nation im WM-Fieber wähnte, und Politiker aller Couleur das Bild des toleranten Deutschland vermittelten, sahen die Fakten im Freudesommer 2006 ganz anders aus. Allein die Übergriffe mit antisemitischem Hintergrund waren innerhalb von nur zwölf Monaten um über 25 Prozent angestiegen. Dabei ist das lediglich die Spitze des Eisberges. 18 501 Delikten ordnete der Verfassungsschutzberichtes 2005 einen extremistischen Hintergrund zu, davon entfielen 15 361 Straftaten auf Täter aus dem rechten Spektrum – mehr als dreitausend Delikte mehr als ein Jahr zuvor. Schon heute bekennen sich mehr als eine Million Menschen offen zu rechtsextremen Parteien und wählten diese mit ihrer Zweitstimme bei den vergangenen drei Bundestagswahlen. Linksextreme bringen es hierzulande auf 33 000 Sympathisanten, wovon etwa 2 400 in Berlin zu finden sind. Hinzu kommen mindestens 31 000 islamische Fundamentalisten, davon allein viertausend in der deutschen Hauptstadt.

Die Zunahme der Akzeptanz für extremistische Einstellungen geht mit einer beängstigenden Erosion der demokratischen Strukturen und Werte einher. Allein bei den Kommunalwahlen in Niedersachsen im September 2006 blieb jeder zweite Wähler der Urne fern – nie zuvor war der Anteil der Nichtwähler so hoch gewesen. Ähnlich desolate Wahlbeteiligungen verzeichneten Berlin und Mecklenburg-Vorpommern bei den Landtagswahlen im gleichen Monat. Die großen Volksparteien schrumpfen demnach unaufhaltsam ins politische Nirvana, schon heute wählen in einigen Regionen Deutschlands mehr Menschen extreme Links- oder Rechtsparteien, als CDU, SPD, Grüne oder FDP.

Angesichts solcher Dimensionen noch von „Protestwählern“ oder „Nichtwählern aus Protest“ zu sprechen, gleicht einer Bankrotterklärung. In Wirklichkeit geht es um Menschen, die sich von diesem Staat abwenden. Die einen schneller und extremer – ihr Weg führt direkt in die Illegalität –, die anderen, indem sie Parteien wählen, die sich ganz offen für die Abschaffung der demokratischen Grundordnung einsetzen.

Ausgerechnet im Monat des Mauerfalls, einem November, erfuhr die Öffentlichkeit, dass die Mehrheit der Deutschen an der Demokratie zweifelt. Eine im Auftrag der ARD im Jahr 2006 durchgeführte Umfrage ergab Bedenkliches: Lediglich 49 Prozent der Bundesbürger waren mit dem Funktionieren der Demokratie zufrieden – elf Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Der Wert kam einem Warnsignal gleich. Niemals zuvor in der Geschichte der ARD-Deutschlandtrend-Befragungen war die Zahl der Unzufriedenen höher ausgefallen. Rund 60 Jahre nach Gründung der Bundesrepublik verlieren die großen Volksparteien unaufhaltsam an Akzeptanz – dem Land, so scheint es, stehen unruhige Zeiten bevor.

Den Grund hierfür auszumachen fällt nicht schwer: Die im Namen von Globalisierung und Wirtschaft durchgeführten Reformen der vergangenen zehn Jahre haben nicht nur ein real existierendes Heer von sieben Millionen Menschen ohne Arbeit hervorgerufen. Sie haben auch zum de Facto Zusammenbruch der Mittelschicht geführt: Wer heute als Angestellter sein Lebenseinkommen bestreitet, darf sich nicht in Sicherheit wiegen – der Absturz kann schnell und steil sein, und binnen kürzester Zeit findet man sich als Hartz-IV Empfänger auf Lebenszeit wieder. Der Staat, bedingt durch die politischen Entscheidungen und Weichenstellungen der Ära Kohl, Schröder und Merkel, hat sein Volk wieder besseren Wissens in dem zentralsten Punkt seiner Verantwortung belogen: Entgegen den Beteuerungen der Politiker lässt sich die Arbeitslosigkeit auch in Zukunft nicht mehr spürbar senken.

Während sich die Politik seit der Wiedervereinigung immer wieder um die Vermittlung einer positiven Bilanz ihres Handelns bemüht, belegen Studien führender Wirtschaftsinstitute, Universitäten und Ökonomen, dass die Wahrheit wenig verheißungsvoll aussieht. Zwar sind angebliche „Erfolgsmeldungen“ über fallende Arbeitslosenzahlen, wie im Spätherbst des Jahres 2006 verkündet, eine korrekte Momentaufnahme des Arbeitsmarktes. Nur: Der Langzeittrend der vergangenen Jahrzehnte lässt befürchten, dass der in regelmäßigen Abständen aufflackernde „Aufschwung“ nicht mehr als ein Strohfeuer ist, das in erster Linie den Unternehmen, kaum aber der Bevölkerung nutzt.

Denn in Wirklichkeit steigt das Heer der Erwerbslosen seit über dreißig Jahren kontinuierlich an – der damit verbundene soziale Absturz der Menschen gehört spätestens seit Hartz IV zum Alltag der Republik.

Darauf reagiert die Politik mit immer wieder neuen „Reformen“. Doch was dem Volk abverlangt wird, gilt oftmals nicht für Abgeordnete, und die massive Verflechtung zwischen Wirtschaft und politischen Entscheidungsträgern hat mittlerweile staatszersetzende Dimensionen angenommen.

Das Versagen der Politik und die Vernachlässigung der Wahrheit hat fatale Folgen, wie unter anderem eine Studie der Heinrich-Böll-Stiftung konstatiert: „In Deutschland nehmen die sozialen Unterschiede seit mehreren Jahrzehnten wieder zu. In unserem Land ist eine neue Armut entstanden. Es ist ein Leben zwischen Arbeit und Arbeitslosigkeit, zwischen Teilzeitarbeit und Sozialhilfe, zwischen Schwarzarbeit und frustriertem Rückzug aus der Gemeinschaft – und es geht einher mit einer völligen Entpolitisierung und einer Anfälligkeit für Populismus.“ Die im Juli 2006 von der Frriedrich-Ebert-Stiftung und TNS Infratest Sozialforschung vorgelegte Studie „Gesellschaft im Reformprozess“ zur sozialen Lage der Menschen in Deutschland führte zur bundesweiten Debatte über den Begriff der „Unterschicht“, obwohl die Studie diesen Ausdruck gar nicht verwendet. Doch die Analyse ist glasklar: 61 Prozent der befragten Bundesbürger meinten, dass es eine Mitte der Gesellschaft nicht mehr gibt, sondern „nur noch ein Oben und Unten“. Dabei ist das, was im mittlerweile vielfach diskutierten Papier zu finden ist, lediglich die Spitze eines Eisberges.

Unzufriedenheit, Desillusionierung und soziales Ungleichgewicht zerstören unsere Gesellschaft wie ein Krebsgeschwür von innen. Eine gefährliche Mischung, die sich vielleicht schon bald in offenen Revolten entladen wird. Wie schnell sich der Volkszorn manifestieren kann, bekamen die Franzosen im Jahr 2005 zu spüren, als sich in Paris Demonstranten mit der Polizei regelrechte Straßenschlachten lieferten – die zu einer nachhaltigen Änderung der vorgesehenen Arbeitsrechtgesetze durch die Regierung führten. „Du bist Frankreich“ heißt inzwischen hierzulande ein beliebter Slogan – ein Vorgeschmack dessen, was der Berliner Republik bevorstehen kann. Es muss aber nicht zwangsläufig zum Aufruhr kommen, wenn rechtzeitig gegengesteuert wird. Denn ganz im Sinne der historischen Revolutionen ist es vor allem der Drang nach Neuem, der nach Umwälzung verlangt. Dabei geht es weniger um die Frage, ob es zu solchen Veränderungen kommen wird. Nach Ansicht führender Politologen und Ökonomen steht das wie im Mittelpunkt der Überlegungen: Ist es die friedliche Umgestaltung, oder eher die gewalttätige Entladung der vernachlässigten Massen, die uns bevorsteht?

Was auf die Deutschland zukommen kann, schildern verschiedene Szenarien bei Bund und Ländern, doch nur die wenigsten davon sind für die Öffentlichkeit bestimmt. Der „Straßenkampf“ von morgen wird weniger mit Pflastersteinen und Geschossen als durch Sabotage vitaler Einrichtungen mit digitalen Mitteln geführt werden, wie eine Studie des Bundesamtes für Verfassungsschutz zeigt. Vor allem die Beendigung der seit zehn Jahren anhaltenden Militanzdebatte innerhalb der linksextremen Szene beunruhigt die Sicherheitsexperten: Lange Zeit schworen Linksgruppierungen der Gewalt als Mittel des Protestes ab. Nun aber rufen sie wieder zum bewaffneten Klassenkampf auf. Anschläge auf Einrichtungen des Bundes und der Länder sind wieder an der Tagesordnung, obwohl darüber so gut wie nie berichtet wird. Und ohne Panik schüren zu wollen: Es scheint nur eine Frage der Zeit, bis auch menschliche Opfer zu beklagen sein werden.

Das Heer der real existierenden sieben bis acht Millionen Menschen ohne Arbeit, oder jener Arbeitnehmer mit Jobs, die lediglich ein Leben in Armut erlauben, rückt ins Visier der Extremisten. Weil die Massen den Glauben an die Demokratie verlieren avancieren sie zum Zielobjekt der extremen Parteien. Schon das allein wäre dramatisch genug.

Die Effizienz der kommenden Revolten wird jedoch weit höher sein als die der vergangenen, großen sozialen Revolutionen. Es ist nicht mehr das gemeine „Proletariat“, das sich erheben wird. Die Revoluzzer von morgen sind arbeitslose, verarmte, aber gut ausgebildeten Eliten, die sich nicht mehr für die Gesellschaft, sondern gegen sie einsetzen. Nie zuvor war eine Bevölkerungsschicht in der Lage, sich dank medialer Vernetzung perfekt zu tarnen, ihr Wissen permanent zu erweitern und ihre Aktionen so perfekt zu organisieren wie heute. Die Revolution der Zukunft kennt zunächst nur ein einziges Ziel: die Wirtschaft durch (digitale) Sabotageakte zu destabilisieren. Erst danach werden unzufriedene Menschenmassen möglicherweise auch physisch gegen öffentliche Einrichtungen vorgehen. Der ersten Unruhewelle wird eine Kaskade weiterer Probleme folgen. Mit der Begründung, drohenden ökonomischen Verlusten entgehen zu wollen, werden Unternehmen massiv ins Ausland abwandern – noch mehr Arbeitslose sind die zwangsläufige Folge. Die damit verbundene, zunehmende Verarmung der Gesellschaft lässt ein instabiles System zurück.

Entsprechende Dokumente belegen, dass längst auch staatliche Krisenmanager wie der Verfassungsschutz, die Bundeszentrale für Politische Bildung und das Bundesministerium des Inneren (BMI) solche Szenarien, für wahrscheinlich halten.

Noch beunruhigender als die Papiere der Staatsschützer sind die Beobachtungen und wissenschaftlich fundierten Aussagen von Medizinern und Psychologen. Seit Jahren verweisen sie auf die psychosozialen und gesundheitlichen Folgen der Arbeitslosigkeit. Die Forschungen belegen: Arbeitslosigkeit macht nicht nur krank. Sie verändert auf Dauern die Psyche der Betroffenen – irgendwann tun sie Dinge, die sie sonst nie akzeptieren würden.

„Welche Auswirkungen hat Massenarbeitslosigkeit auf das persönliche Umfeld der Menschen, wie verändert sich das soziale Klima in den Gemeinden?“, fragten sich die Forscher – und verweisen auf mehr als 5500 Publikationen zu diesem Gebiet, von denen bislang weder Medien, noch die Politik berichteten.

Derartiges Material zu ignorieren ist mehr als unangebracht. Denn die Studien belegen, dass das Millionenheer der Arbeitslosen die Grundlage der kommenden Unruhen bildet. Wer vor dem Jobverlust über ein intaktes soziales Verhalten verfügte, kann auf Grund des psychischen und psychosozialen Auswirkungen der Arbeitslosigkeit seine Einstellung gegenüber der Gesellschaft grundlegend ändern – und am Ende seine ganze Energie gegen sie einsetzen.

Die anderen ungelösten und kaum zu bewältigenden Probleme des Landes, etwa die fortschreitende Vergreisung und die zunehmende Energieknappheit, katalysieren diesen Prozess. Denn sie führen zu noch mehr Unzufriedenheit und kaum zu neuen Jobs. Das gesamte Land steuert auf einen Wesenswandel zu, der sich langsam, aber kontinuierlich vollzieht.

Gibt es einen Ausweg? Unter den heutigen Voraussetzungen eher nicht. Zwar bietet die bestehende demokratische Grundordnung eine ganze Reihe von Sicherungsinstrumenten. Doch es sind die Politiker selbst, die durch das Verschweigen der Wahrheit um der eigenen Wiederwahl willen von an sich notwendigen Veränderungen Abstand nehmen – und auf diese Weise den kommenden Revolten Tür und Tor öffnen.

Die von der Politik als Lösung vorgestellten Maßnahmen erweisen sich als wirkungslos und ignorieren die Realität. Denn eine Rückkehr zu Vollbeschäftigung und Wohlstand für alle – zum Sozialstaat von einst – ist faktisch nicht möglich: Wenn Konzerne und Banken gleichzeitig Redkordgewinne erzielen und dennoch Tausende entlassen, wird von dieser Seite weder mit Entgegenkommen noch mit Einlenken zu rechnen sein. Konsterniert stellen Fachleute der Bundeszentrale für politische Bildung (BPB) daher fest, dass die Strukturen der Republik ins Wanken geraten: „Es ist offensichtlich, dass die alte Mitte der Bundesrepublik als Komplex insgesamt geteilter Einstellungen und Grundannahmen, Wirklichkeitsdeutungen und Mentalitäten nicht mehr tragfähig ist. Wo es die einen zurückzieht in die idyllisierte Vergangenheit des ‚Goldenen Zeitalters’ (Eric Hobsbawm), hält auf der anderen Seite eine ‚Generation Reform’(Paul Nolte) längst mehr Dynamik und Bewegung, Aufbruch und Erneuerung für dringend geboten.“

Es gibt neue Modelle, die in den Schubladen der führenden Ökonomen existieren – und von der Politik bewusst übersehen werden. So weist beispielsweise ein internes Papier der als unabhängig geltenden Deutschen Bank Research auf die wesentlich bessere Positionierung der skandinavischen Länder in den harten Zeiten der Globalisierung hin – und betont, dass dort ein mehr an Sozialstaat weitaus positivere Effekte auslöst, als die hierzulande getroffenen „Reformen“ seit dem Fall des Eisernen Vorhangs.

Und es gibt Szenarien, die viel Fantasie und Mut abverlangen – die aber im Vergleich zu den herkömmlichen „Reformplänen“ der großen, ehemaligen Volksparteien SPD oder CDU im Falle der Umsetzung eine Chance bieten, das Ruder herumzureißen. Die aufgezeigten Konzepte sind dabei keinesfalls unbekannt und werden in Ländern wie Frankreich, den USA oder Großbritannien in verschiedenen Bereichen bereits erfolgreich angewendet. Nur hierzulande wollen Politiker davon nichts wissen – und bestehen auf die Vermittlung einer großen Illusion: dem Absinken der Arbeitslosenzahlen.

Das Fazit ist unmissverständlich. Nur wenn es gelingt, eine neue, ehrliche Denkkultur in Politik und Wirtschaft zu etablieren und das derzeit abhanden gekommene Vertrauen in die Politik wieder herzustellen, werden die kommenden Unruhen das bleiben, was sie in diesem Buch sind: lediglich ein bedrohliches Szenario.

Auszug mit freundlicher Genehmigung des Gustav Lübbe Verlags/ copyright: Gustav Lübbe Verlag

Marita Vollborn, Vlad Georgescu
Brennpunkt Deutschland. Warum unser Land vor einer Zeit der Revolten steht


Gustav Lübbe Verlag
ISBN: 3-7857-2282-6

Hardcover/Festeinband

Preis: 18,00 EUR (D) 18,50 EUR (A) 31,90 SFR


(2008-01-30)

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