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Bankencrash, Rezession, Weltwirtschaftskrise: Deutschlands gefürchtetes Déjà Vu

Steht das Schlimmste erst bevor? Börsencrash von 1929 als Anfang der großen Depression. Foto: United States Federal Government/ WikipediaWas in unserer Zeit als „Geiz ist Geil“-Slogan seit Jahren aus Produkten Schnäppchen macht, kam in den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Preisverfall mit Krisenpotenzial daher – Millionen von Farmern und Arbeitern hatten die Errungenschaften der Fließbandtechnik, Maschinen, Autos und andere Konsumgüter, auf Kredit gekauft, und konnten infolge der sinkenden Preise nicht mehr ausreichend Gewinn erwirtschaften, um die Schulden zu begleichen. In diesen Sog gerieten schließlich auch die Unternehmen, mit fatalen Folgen für den gesamten Arbeitsmarkt: Das Heer der bereits vorhandenen fünf Millionen Arbeitslosen wuchs nun von Woche zu Woche weiter an.Die amerikanische Rezession, die schnell zur Depression mutierte, erfasste jetzt nahezu den gesamten Globus – und traf Deutschland mit voller Wucht.
von Marita Vollborn und Vlad Georgescu


Nach dem Ersten Weltkrieg waren die USA nämlich zum größten Kreditgeber aufgestiegen; im Rahmen des so genannten Dawes-Plans flossen ab 1924 viele US-Kredite nach Deutschland, um den Wiederaufbau zu fördern. Das Gesamtvolumen der ausländischen Kredite betrug in der Weimarer Republik rund 15,7 Milliarden Reichsmark, der größte Teil dieser Summe stammte von amerikanischen Banken. Ähnlich erging es auch den anderen europäischen Ländern. Selbst die Kriegsgewinner Frankreich und England finanzierten ihren Wiederaufbau auf Pump. Der Crash des Jahres 1929 ließ das obskure System der US-Kredite zusammenbrechen. Denn ihre eigenen Verluste an der Börse versuchten die amerikanischen Banken möglichst schnell auszugleichen, indem sie einen Großteil der ausstehenden Gelder von den Europäern zurückforderten. Weil neben den US-Banken selbst private Investoren ihr Geld abzogen, kam auf dem alten Kontinent der Aufschwung zum Erliegen.

Ein letztes Mal ließen die Wirtschaftsdaten Hoffnung auf Besserung aufkommen, als trotz Krise zwischen Januar und April 1931 die Konjunkturindikatoren nach oben drehten. Insbesondere die Entwicklung am Arbeitsmarkt ließ viele Politiker den sehnlich herbeigewünschten Silberstreif am Horizont erkennen: Erstmals hielt der saisonal übliche Rückgang der Arbeitslosen im Frühjahr 1931 deutlich länger an als üblich.

Wie weit hingegen die Erosion des Wirtschaftssystems vorangeschritten war, erfuhr die Welt am 11. Mai 1931, als die größte Bank Österreichs, die Österreichische Credit-Anstalt für Handel und Gewerbe, infolge des versiegenden Kapitalstroms ihre Zahlungen einstellte. Als am 13. Juli 1931 in Deutschland die Darmstädter und Nationalbank (Danat-Bank), damals eine von vier deutschen Großbanken, nach dem Konkurs des Nordwolle-Konzerns ebenfalls ihre Zahlungen einstellte, brach in der Bevölkerung Panik aus. Wer über Sparguthaben verfügt, versuchte es nun mit allen Mitteln zu retten – vergebens. Die ohnehin vorhandene Geldverknappung nahm abermals zu, als die ausländischen Investoren, ebenfalls in Panik, ihre Gelder abzogen. Das Desaster versuchten die deutschen Politiker mit vielen Maßnahmen abzuwehren - von denen die meisten an heutige Aktionen gegen die zunehmende Arbeitslosigkeit erinnern.

So kürzte der Staat im Jahr 1931 die Beamtenbezüge in drei Schritten um insgesamt 23 Prozent. Hinzu kamen Steuererhöhungen, welche die Kaufkraft der Bürger massiv schwächten. Dass selbst Renten in solchen Zeiten nicht sicher waren, erfuhren die Menschen am 3. Juni 1931, als die Renten per Notverordnung ebenso wie staatliche Löhne und Gehälter gekürzt wurden. Die Unterstützungssätze für Arbeitslose kürzte der Staat um bis vierzehn Prozent, zudem führte die Regierung eine Krisensteuer von vier bis fünf Prozent auf sämtliche Einkommen ein.

Derartige Einschnitte veränderten das soziale Gefüge im Land, wie die Marienthalstudie, ein Klassiker der Sozialforschung, aufzeigt. 120 Tage lang hielten sich Forscher im Jahr 1930 im einstigen Weberei-Dorf Marienthal auf und nahmen dabei die Verhältnisse genau unter die Lupe. Die Ergebnisse lieferten ein verheerendes Bild. 77 Prozent der insgesamt 478 Familien waren von Arbeitslosenunterstützung abhängig, wobei die staatliche Hilfe lediglich ein Viertel des Gehalts ausmachte – und maximal dreißig Wochen lang gezahlt wurde. Zudem wurde bei Bekanntwerden einer Gelegenheitsarbeit die Unterstützung ersatzlos gestrichen.

Derartige Maßnahmen verfolgten ein präzises Ziel: Reichskanzler Heinrich Brüning wollte den Siegermächten demonstrieren, dass weitere Einschnitte nicht mehr zu vertreten waren. Tatsächlich hatte diese Strategie am 9. Juli 1932 Erfolg, denn gegen eine geplante Einmalzahlung von drei Milliarden Reichsmark verzichteten die Siegermächte auf weitere Reparaturzahlungen der Deutschen. Doch der Preis hierfür war hoch. Soziale Unruhen, die Spaltung der Gesellschaft in rechts- und linksextreme Kräfte und, am Ende dieser Entwicklung, die Machtübernahme durch die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler waren die Folgen.

Als gesichert gilt heute die Theorie, dass die hohe Arbeitslosigkeit, entgegen der landläufigen Meinung, Hitler nicht den Weg an die Macht ebnete. Doch als ebenso unbestritten gilt die Tatsache, dass Hitler ohne die Arbeitslosigkeit die errungene Macht nicht dauerhaft hätte sichern können. Es waren demnach viele Faktoren, die zur Destabilisierung der gesamten Gesellschaft führten – die Massenarbeitslosigkeit ist der vielleicht nachhaltigste Faktor in diesem Prozess.

Das unaufhaltsame Ende der Arbeit

Hatte die Arbeitslosigkeit in Deutschland im Januar 1928 noch bei 2,8 Millionen gelegen, zählte die Statistik Ende 1930 mehr als fünf Millionen Menschen ohne Erwerb. Im Februar 1932 erreichte Arbeitslosigkeit rund sechs Millionen, über ein Drittel aller Deutschen lebte von öffentlichen Geldern.

Und heute? Allein im Mai 2006 zählte die Bundesagentur für Arbeit (BA) insgesamt 8,67 Millionen Leistungsempfänger, danach sind bereits mehr als zehn Prozent der deutschen Bevölkerung auf staatliche Hilfe von der Bundesagentur für Arbeit angewiesen. Dieses gigantische Heer schlüsselt die Statistik der Bundesagentur akribisch in drei Bereiche auf. Im erwähnten Zeitraum bezogen 1 566 955 Menschen das klassische Arbeitslosengeld, weitere 5 246 724 zählten zum „Rechtskreis Arbeitslosengeld II“, im Volksmund auch als Hartz IV bekannt. Hinzu kamen noch 1 875 759 Menschen, die ihren Lebensunterhalt nur mit Hilfe von Sozialgeld bestreiten konnten. Natürlich gehören zur letzten Gruppe auch Rentner, deren Bezüge aus der staatlichen Rentenkasse unterhalb der Armutsgrenze liegen. Doch Sozialgeld beziehen vor allem junge Selbständige und Freiberufler, die noch nie Beiträge an die Bundesagentur für Arbeit entrichten mussten oder konnten. Die Zahl dieser Leistungsempfänger in einem Atemzug mit den ersten beiden Gruppen zu nennen ist daher mehr als sinnvoll – die Statistiken der Bundesagentur führen sie entsprechend als einen Block auf. Das angesehene Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung (IAB) schätzt die Zahl der Menschen ohne Job auf rund sieben Millionen .

Denn in der Statistik erfasst werden nur Menschen, die sich arbeitslos melden. Jene aber, die zwar einen Arbeitsplatz suchen, sich jedoch wegen fehlender Leistungsansprüche nicht an die Agenturen wenden, schlüpfen durch das Netz der Statistikerfassung. So tauchen beispielsweise Frauen, die nach einer familienbedingten beruflichen Auszeit wieder arbeiten möchten, ebenso wenig in der Statistik auf wie jene Arbeitslosen, die an arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen wie Arbeitsbeschaffungs-, Weiterbildungs- und Trainingsmaßnahmen oder den so genannten „Ein-Euro-Jobs“ teilnehmen. Auch ältere Arbeitslose über 58 Jahren, die nicht mehr der Arbeitsvermittlung zur Verfügung stehen, oder Personen in geförderter Altersteilzeit fehlen in der Arbeitslosenstatistik. Für all diese Menschen hat die Bundesagentur für Arbeit einen irreführenden Begriff parat – sie werden als „Stille Reserve“ bezeichnet. Bezieht man diese „Stillen Reserven“ in die offiziellen Statistiken mit ein, beträgt die tatsächliche Zahl der Arbeitslosen allein im Jahr 2004 rund 7,1 Millionen Menschen.

Die Politik sieht das anders. Von so vielen Menschen zu reden, denen Arbeit fehlt oder denen Beschäftigung nicht einmal das elementare Einkommen sichert, gleiche einer Bankrotterklärung in Sachen Arbeitsmarktpolitik. Seit Jahrzehnten hat sich daher, von den Medien mitgetragen, ein anderer, weitaus gefälligerer Usus eingeschlichen. Berichtet wird so gut wie immer über die reinen Arbeitslosenzahlen – und die liegen, je nach Betrachtungsweise und Statistik, seit Mitte der neunziger Jahre bundesweit bei 4,5 bis fünf Millionen.

Was aber bedeutet eigentlich „arbeitslos“? Zählt der vermögende Millionär, der es sich leisten kann, auf eine bezahlte Tätigkeit zu verzichten, genauso zum Kreis der Arbeitslosen wie der Bandarbeiter, dessen Stelle wegrationalisiert wurde? Oder sind Menschen, die beispielsweise erst ab einem Stundensatz von hundert Euro arbeiten wollen, auf Grund der fehlenden Angebote in diesem Segment gleichzusetzen mit jenen, die für einen Niedriglohn von fünf Euro die Stunde arbeiten würden? Und wie sieht es mit jenen aus, die selbständig und freiberuflich sind: Ist der Restaurantbesitzer bei fehlender Klientel arbeitslos, oder einfach nur pleite? Schon diese wenigen Fragen zeigen auf, wie vielschichtig der Begriff der Arbeitslosigkeit sein kann. Wer sich über die Zahl der „Arbeitslosen“ Gedanken machen will, sollte sich daher einige Aspekte des deutschen Jobmarktes bewusst machen.

Das Fundament aller Statistiken bildet eine einfache Überlegung. Jeder Mensch, der als Angestellter (abhängig) oder selbständig und freiberuflich (unabhängig) eine bezahlte Tätigkeit ausübt, gilt hierzulande als erwerbstätig. Wer das nicht tut, gilt zwar als erwerbslos, taucht aber deshalb noch nicht in einer Statistik der Bundesagentur für Arbeit auf. Denn als arbeitslos gilt dort nur, wer sich auch als arbeitslos meldet und dem Arbeitsmarkt „zur Verfügung steht“. Letztere Bedingung freilich hat einen gravierenden Nachteil: Sie lässt ungezählte Menschen außen vor.

So sind beispielsweise die „Ein-Euro-Jobber“ nicht arbeitslos, obwohl sie mit ihrem Erwerb allein den Lebensunterhalt nicht bestreiten könnten. Auch Menschen ohne Job, die sich in Weiterbildungsmaßnehmen befinden, gelten rein statistisch betrachtet nicht als arbeitslos. Und wer älter als 58 Jahre ist und seine Stelle verloren hat, wird ebenfalls nicht ins Heer der 4,5 Millionen Arbeitslosen aufgenommen, weil er dem Arbeitsmarkt auf Grund seines Alters nicht mehr zur Verfügung steht. Die Bundeszentrale für Politische Bildung bezifferte die tatsächliche Zahl der Arbeitslosen im Jahr 2004 auf über 7,1 Millionen, auch das zu den fünf Wirtschaftswaisen gehörende ifo-institut in München bestätigt diese Größenordnung.

Angesichts solcher Dimensionen Parallelen zur Weimarer Republik ziehen zu wollen, ist unschön und provokativ - dennoch wäre es geradezu fahrlässig, die Erfahrungen der Vergangenheit zu ignorieren. Denn entgegen aller Äußerungen, wonach sich der Arbeitsmarkt auf Dauer doch noch erhellen könnte, sprechen die Fakten eine andere Sprache. Der deutsche Arbeitsmarkt erodiert seit mehr als drei Jahrzehnten nahezu konstant, und eine nachhaltige Wende scheint illusorisch. Selbst hinter den „guten Nachrichten“ verbergen sich in Wirklichkeit Hiobsbotschaften, wie eine „optimistische“ Monatsstatistik des Jahres 2006 im Folgenden exemplarisch zeigt.

Auszug mit freundlicher Genehmigung des Gustav Lübbe Verlags/ copyright: Gustav Lübbe Verlag

Marita Vollborn, Vlad Georgescu
Brennpunkt Deutschland. Warum unser Land vor einer Zeit der Revolten steht


Gustav Lübbe Verlag
ISBN: 3-7857-2282-6

Hardcover/Festeinband

Preis: 18,00 EUR (D) 18,50 EUR (A) 31,90 SFR


(2008-10-07)

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